Rommel-Piste Tunesien: Das soll Offroad sein?
Die Rommelpiste ist ein Mythos des deutschen Expeditionsmobilismus und stellt sich vor Ort sehr hübsch, aber doch anders als erwartet dar.
Endbahnhof der Roten Eidechse in Redeyef
Von der Bergoase Mides ist es nicht weit bis zur Rommelpiste. Algerien scheidet aus, also rechts nach Redeyef.
Schaue mir in Redeyef noch die verfallenen Gleisanlagen der Roten Eidechse an. Der Tourizug Lezard Rouge war hier schon lange nicht mehr.
Wer weiß, wann im Endbahnhof der Roten Eidechse der letzte Waggon abgestellt wurde.
Einstieg in die Rommelpiste
Heute ist Redeyef vor allem der Einstieg in die Rommelpiste. Wenn man sich nicht von der riesigen Müllhalde am Südostrand des Ortes abschrecken lässt, ist die Rommelpiste ziemlich einfach zu finden. Der Verlauf der „Piste Rommel“ ist sogar in Google Maps und der OpenStreetMap eingezeichnet.
Halte kurz am oberen Einstieg der Rommelpiste auf einer Seehöhe von 593 m. Auf knapp 10 km überwindet die Rommelpiste von hier den Steilabbruch bis runter in die Ebene von Tozeur auf ca. 115 m über dem Meer.
Halte bisschen weiter unten nochmal an einem Leipziger Iveco Daily an, der mit geöffneter Motorhaube etwas merkwürdig auf ein paar Steinen steht. Frage, ob die Leute vielleicht Hilfe brauchen, aber sie muddeln nur ein bisschen an ihrem Allradler herum.
Zustand der Rommelpiste
Allrad ist (nicht nur) auf der Rommelpiste überbewertet. Eine richtige Piste ist das sowieso nicht, eher eine Rommelautobahn. Am problematischsten ist eine Verwindungspassage.
Um die Rommelpiste zu fahren, braucht man sicherlich ein bisschen Bodenfreiheit und ein robustes Fahrgestell, das nicht gleich auseinanderfällt, wenn mal das Vorderrad in der Luft hängt. Wobei es beim Mercedes 711D wesentlich besser ist, die Stabilisatoren auszuhängen. Dann macht die nicht angetriebene Vorderachse auch wesentlich mehr Verwindung mit. Hab für solche Experimente ja extra die Bremsleitungen verlängert. Okay, wenn es regnet, sind gute Reifen wichtig. Aber die Falken Wildpeak sind ja sogar richtige All-Terrain-Winterreifen.
Fahre noch ein Stück weiter runter und stelle den Bus neben der Rommelpiste auf ein steiniges Felsplateau.
Ab hier beginnt der betonierte Abschnitt der Rommelpiste. Der ist fahrtechnisch erst recht ein Witz.
Es gibt unten ein paar enge Serpentinen, aber da kommt jeder rum, der ein Lenkrad bedienen kann. Und meistens ist der Zustand der Rommelpiste aus Betonplatten sogar richtig gut.
Das Gefährlichste an der Rommelpiste ist vielleicht mal ein Fahrbahnabsatz.
Aber natürlich haben die Kurven der Rommelpiste keine Leitplanken. Trotzdem ist das kein Offroad.
Historische Spurensuche auf der Rommelpiste
Ich komme gerade vom Family Resto aus Mides, und Salah schwört ja Stein und Bein, dass Rommel persönlich diese Piste angelegt hat, um den Frontnachschub rund um den Kasserine-Pass zu verbessern. Aber wenn ich mir die Fußspuren so anschaue, stammen die wohl nicht von deutschen Wehrmachtsstiefeln. Die Ledersohlen der Knobelbecher waren schließlich unten mit Nägeln beschlagen, deren Abdrücke man sehen würde. Das hier sieht mir eher nach einer Gummisohle aus.
Beim nächsten Schuhabdruck im Beton ist gleich gar kein Sohlenprofil zu erkennen. Das wird wohl ein Flipflop gewesen sein, also die typische Sicherheitsbeschuhung tunesischer Bauarbeiter. Und die Betonritzung darüber ist auch nicht gerade ein taktisches Zeichen der Wehrmacht.
Zur Geschichte der Rommelpiste ist für mich plausibler, dass der französische Begriff für eine alte Römerpiste zwischen Tiefland und Redeyef („Piste de Romains“) sprachlich zu „Piste de Rommel“ verballhornt wurde. Vielleicht sogar ganz bewusst. Denn so eine Rommelpiste ist dem Tourismus sehr zuträglich, wie man an meiner und der Anwesenheit zahlreicher anderer Reisemobile sieht. Also ich erkenne in dieser Ritzung eine 61. Sollte also 1961 das Baujahr der betonierten Rommelpiste sein?
Bergbau an der Rommelpiste
Anlass für die Betonpiste wäre dann wohl der Phosphatbergbau rund um Redeyef. Gibt zudem einige wilde Gruben.
Die Hobbybergleute suchen wohl Calcit, der überall an die Touristen verkauft wird.
Auch für die Aussicht lohnt sich die Rommelpiste. Je später es wird, desto besser sind Wetter und Sicht.
Hier sind es vielleicht noch 300 Höhenmeter bis runter in die Ebene von Tozeur.
Pushlockreparatur als Abendbeschäftigung
Es kommen kurz vor der Dunkelheit noch drei Mopeds und eine Schafherde vorbei, aber dann ist es an der Rommelpiste herrlich ruhig.
Kann mich allerdings nicht ausruhen, denn in der Küche hat es das obere Schubfach zerlegt. Der 8 Jahre alte Metall-Pushlock hat offenbar eine Schraube losgerüttelt, und dann konnte die letzte verbliebene Lasche das Gewicht der schweren Schublade nicht mehr halten und ist zerbrochen.
Ist ja auch ziemlich dumm, links in die Küche den ganzen Vorrat hineinzupacken. Doch da ich alleine unterwegs bin, habe ich links die Sitzgruppe ausgebaut und damit viel Gewicht und Stauraum unter den Sitzbänken verloren. Mein ganzes Werkzeug ist nun rechts verstaut. Und damit der Bus auf der rechten Seite nicht zu schwer wird, hab ich als Ausgleich sämtliche Vorräte links in die Küche gepackt.
Naja, erstmal muss ich schlafen gehen. Morgen ist auch noch ein Tag. Und zuerst interessieren mich sowieso die Canyons an der Rommelpiste.























Schön, das Du wieder Zeit hast!
Ist der Anfang der (ursprünglichen) Piste noch sichtbar? Wir sind vor Jahren durch die Müllhalde zur Piste gefahren, ziemlich am Anfang ging rechts die alte Piste weg, die aber völlig abgebrochen war.