Tunesien: Schluchten und Wasserfälle der Bergoase Tamerza
Der zweite Teil der Wanderung zurück nach Mides führt durch die Schluchten und Wasserfälle von Tamerza.
Unterer Wasserfall Tamerza
Die Wanderung von Mides nach Tamerza über die Berge war ja gar nicht so unwegsam wie gedacht. Also wenn man ungefähr weiß, wo man lang muss. Längs durch Tamerza nach Süden ist auch kein Problem. Und schon zeigen die Händler mit ihren bunten Tüchern die nächste Attraktion der Bergoasen: Die kleine Kaskade von Tamerza. Die Händler warten zwar vergebens auf Touristen, sind aber trotzdem ziemlich unaufdringlich. Wenn ich mich dann noch als der deutsche Patient oute, kann ich mich ganz normal unterhalten.
In Tamerza gibt es ja zwei Wasserfälle. Das hier ist der untere Wasserfall am südlichen Ortsende.
Von da führt kein richtiger Weg die Schlucht hinunter, aber ich kann dem Wasser ja auch so ein bisschen folgen. Ist hübsch hier mit den ganzen lustigen Fröschen in den Tümpeln.
Straße von Tozeur nach Tamerza
Kann leider die Schlucht nicht bis Tozeur verfolgen, denn ich muss ja auch wieder zurück nach Mides wandern. Wäre wirklich mal schön, nur mit ultraleichter Trekkingausrüstung durch Tunesien zu ziehen. Klettere also bei der erstbesten Gelegenheit links raus aus dem Tal und hoch zur Straße.
An der Straße durchs Nirgendwo hält ein mitleidiger Mopedfahrer und will mich mitnehmen. Vielen Dank, aber ich bin zum Wandern hier.
Bergoase Tamerza
Da ist doch schon wieder die Oase von Tamerza.
Östlich der Bergoase verläuft ein schmaler Pfad zwischen Flussbett und Berg.
Das namenlose Flüsschen entspringt (theoretisch) bei Bir El Ater in Algerien und fließt durch den Canyon von Mides bis zur Talsperre und Oase von Tamerza.
Canyon Tamerza
Die Wassermenge am Canyon von Tamerza ist zwar derzeit sehr überschaubar, hat sich aber über die Zeit nichtsdestotrotz tief in den kargen Fels gegraben. Und noch besser ist der kleine, hier abzweigende Canyon von Tamerza.
Solch eng ausgewaschenen, kurvigen Felswände begeistern mich immer wieder.
Die enge Schlucht von Tamerza ist aber besonders schön.
Nach 400 m ist die Schlucht zu Ende und ein kleiner Pfad führt Richtung Norden aus dem Canyon heraus.
Oberer Wasserfall von Tamerza
Hab von oben eine schöne Aussicht auf die Bergoase und die Hotelsbrund um den oberen Wasserfall von Tamerza.
Der Weg von der Hochebene runter ins Tal ist gesäumt von Hotels und Verkaufsständen. Aber nein, kaufen oder essen will ich nichts. Mir reichen zwei Äpfel und eine Wasserflasche.
Der große Wasserfall von Tamerza heißt nur deswegen groß, weil er größer ist als der kleine. Aber wenn die Grand Cascade fünf Meter hoch ist, ist das viel.
Der Wasserfall ist natürlich nett, aber für ein Nordgesicht nun nicht die große Sensation. Sehr hübsch hingegen finde ich die tropfenden hängenden Gärten von Tamerza. Die sind wirklich schön.
Die City von Tamerza
Das Zentrum von Tamerza ist nun nicht gerade ausgestorben, aber im Ramadan sind schon die meisten Geschäfte, Cafés und Restaurants geschlossen. Geöffnet sind wirklich nur die Touristenhotspots rund um den Wasserfall.
Ich gehe noch zum Hospital, wo ich nach meiner Rettung aus dem Canyon geröntgt geworden bin und bedanke mich bei allen. Eigentlich wollte ich das Personal zu meiner Party einladen, aber das lasse ich lieber. Scheint hier nicht so üblich zu sein. Erst recht nicht im Ramadan.
Schaue mir auch noch die Apotheke an und hole am selben Automaten Bargeld. Nur dass ich eben diesmal nicht von meinen Jungs bedient und getragen werden muss, sondern endlich wieder selber laufen kann. Bin nur etwas eingeschränkt, weil ich meinen Hut vergessen und auch keine Sonnencreme dabei habe. Kann also die Murals in Tamerza nur vom Schatten aus anschauen.
Das alte Tamerza
Das alte Lehm-Tamerza ist schon so gut wie eingefallen und keine besondere Attraktion.
Das einzige, was von den Lehmbauten im alten Tamerza die Zeit überstehen wird, sind wohl die Hausanschlusskästen.
Durchbruch an der oberen Talsperre Tamerza
Jetzt ist nur die Frage, wie ich wieder zurück nach Mides komme. Kann mit dem Fernglas zwar ganz gut die Umgebung abscannen und abschätzen, ob ich und wie ich querfeldein über sie Berge laufen könnte. Aber ob ich wirklich über die Felsbänder komme, zeigt sich immer erst vor Ort.
Wie ich so nachdenke, huscht direkt neben mir plötzlich eine Schlange von einer Bruchsteinmauer runter und in einen Busch hinein. Einen Meter lang, grau. Keine Ahnung, was das war. Man muss halt schon sehr aufpassen, wo man sich anlehnt und hintritt. Aber wahrscheinlich hat sich die Schlange genauso erschreckt wie ich und es nur auf die Frösche im Unterwasser der oberen Talsperre von Tamerza abgesehen.
Die obere Talsperre von Tamerza ist ein harter Brocken. Die Treppenanlagen sind schon eingefallen und es gibt einige dumme Stellen. Muss also ein bisschen klettern.
Oben zeigt sich, dass die Talsperre vollkommen verlandet ist.
Zu meinem Glück, denn der Schlamm ist so trocken und tragfähig, dass ich um die steilen Felswände am Ufer herumlaufen kann.
Wanderung von Tamerza nach Mides
Der Rest der Wanderung von Tamerza nach Mides ist ein Kinderspiel.
Muss nur noch ein bisschen quer durch den Oued zur Straße und dann an der Straße nach Mides.
Unterwegs setzt mal meine GPS-Aufzeichnung aus, aber die ganze Wanderung von Mides nach Tamerza und zurück sind so 23 Kilometer. Aber halt quer über die Steine, sodass ich entsprechend lange brauche.
Abend am Mides Family Resto
Mache mir nach der Wanderung erstmal ein Radler aus dem Kühlschrank auf. Das (alkoholfreie!) Freiberger zischt weg wie nichts. Echt genial.
Im Bus ist es mit 40 Grad ziemlich warm, aber mit ausgestelltem Aufstelldach und geöffneter Schiebetür ist die Hitze schnell draußen. Kommen zwar wieder ein paar Fliegen rein, aber das macht nichts. Und wenn die Sonne untergeht, wird es sowieso recht schnell frisch.
Zum Abendbrot setzt sich Salah zu mir und wir quatschen darüber, dass ich dem Ministerium mal einen Brief schreiben und um Wiederinbetriebnahme der Roten Eidechse bitten soll.
Wir stimmen auch ein bisschen meine Pläne ab, wonach ich das Grillholz aus den Korkeichenwäldern sowie das ganze Freiberger Partybier hier lasse und gegen Ende der Tunesienreise noch mal vorbeikomme. Anschließend bin ich im Dunkeln mit der Wäsche beschäftigt, während draußen eine Gruppe Mädchen laut singend durch die Oase zieht. Die haben sogar Knaller dabei und begehen scheinbar irgendein Fest. Kriege aber nicht raus, was das ist.
Spät abends leuchtet unterhalb des Campingplatzes am Mides Family Resto jemand mit einer Taschenlampe die ganze Zeit in der Oase herum. Das macht mich neugierig und ich beobachte ihn mit den Fernglas. Ist schon erstaunlich, wie das NXT auch im Dunkeln die Konturen herausbringt. Sehe so, dass der Mann tatsächlich nur die Flutung seiner Oasenfelder überwacht. Also alles bestens am Mides Family Resto.
Morgen muss ich nur noch hoch zur algerischen Grenze laufen, dann hab ich fast alles abgewandert.

































wie immer, schön und bildent geschrieben
Ingo