Die Party kann beginnen
Der eine oder die andere erinnert sich ja vielleicht noch an meinen 8-m-Sturz in die Schlucht von Mides. Dieser Unfall hat nicht nur die Tunesienreise mit den Jungs beendet, sondern mir ein neues Leben beschert.
Bei meiner wundersamen Wiedergeburt im Canyon ist mir nämlich jede Scheu verloren gegangen, mein Leben und meine Möglichkeiten so zu nutzen, wie ich mir das vorstelle. Und prompt bin ich seitdem mit den „Kindern“ alleine. Schade drum, aber nicht zu ändern.
Muss nur aufpassen, dass der Männerhaushalt nicht völlig eskaliert. Und zwar nicht nur zu Hause mit der BMW im Wohnzimmer, sondern auch bei mir im Bus. Denn da alle größer sind und nur noch ab und zu mitfahren, kann ich im riesigen Mercedes 711D nicht nur nach Belieben eins der sieben Betten auswählen, sondern auch meinen ganzen Kram einfach reinschmeißen. Hab nämlich noch ein bisschen Angst, dass es mir allein langweilig wird.
Früher stand das nie zur Debatte, aber warum soll ich zusätzlich zur normalen Reiseausrüstung für Tunesien jetzt nicht auch ein Schweißgerät mitnehmen? Und einen Quadratmeter Blech, die Blechschere, die Kantbank, die Flex sowieso und noch dies oder das. Das extrem handliche GYS EasyMIG 130* passt nebst einer Dose Brantho Korrux jedenfalls ideal in den Beifahrereinstieg.
War schon immer mein Traum, unter Palmen zu arbeiten und auf Reisen zu Hause zu sein. Klar hab ich auch noch Verpflichtungen. Aber die zu Hause laufende Großbaustelle wickeln meine Jungs ab. Bezahlen kann ich auch von unterwegs, ebenso wie „richtig“ arbeiten. Nur alleine bin ich eigentlich nicht gerne.
Aber vielleicht steigt ja unterwegs eine Frau ein und nicht wieder so schnell aus. Vor einer leichtfertigen Bewerbung muss ich aber darauf hinweisen, dass nicht nur mein neuer Blogname Programm ist, sondern ich auch ein Problem mit Schickimicki habe und gern wochenlang mit Ultraleicht-ultraklein-Zelt umherziehe. Und da mache ich auch keine Kompromisse mehr. Dazu bin ich gewohnt, alles selbst zu organisieren, mich um alles zu kümmern und alles zu bezahlen.
Wie auch immer. Erstmal fahre ich allein nach Tunesien, um mich bei meinen Rettern und Helfern mit einer kleinen Party zu bedanken. Einen Hammel werde ich wohl auch da kaufen können, aber das Bier nehme ich lieber mit. Hab durch den Ausbau der Sitzgruppe ja Platz im Bus. Und so ein Bierkastensofa ist gar nicht mal so unbequem. Trinke allerdings selber nur alkoholfreies Radler. Und da ich gerade im Ramadan keinen Tunesier zum Regelverstoß verleiten will, ist alles Freiberger alkoholfrei.
Jetzt muss ich nur noch tanken und mit dem Bus mal auf die Waage, bevor es direkt zur Fähre nach Genua geht. Und dann kann die Party beginnen.



