Tunesien: Ganz allein auf der Segdoud-Piste

Alleine im Wohnmobil durch Tunesien reisen heißt auch alleine Piste fahren, und das ist schon mit einiger Anstrengung verbunden.

Probleme beim Pistenfahren

Probleme beim Pistenfahren

Zimra-Canyon im Djebel Chouabine

Wenn ich so schön alleine an der Rommelpiste unterwegs bin, könnte ich ja auch ausschlafen. Aber nein, mittlerweile ist es mir ein Bedürfnis, noch vor Sonnenaufgang auf Wanderschaft zu gehen. Der Wecker steht auf 6:30 Uhr, und kurz danach bin ich schon draußen.

Sonnenaufgang über der Rommelpiste um 06.33 Uhr

Sonnenaufgang über der Rommelpiste um 06.33 Uhr

Es ist noch ziemlich frisch am Djebel Chouabine, und ich muss mich dick anziehen. Außerdem sieht es nicht so aus, als würde die Sonne bald herauskommen. Egal, ich laufe Richtung Sonnenaufgang, denn da hinten scheint es einen Canyon zu geben.

Wolken über der Rommelpiste

Wolken über der Rommelpiste

Wie der Blick zurück zeigt, steht der Bus derweil völlig einsam und verlassen an der Rommelpiste. Aber seit ich alleine bin, habe ich keine Angst mehr.

Mercedes 711D an der Rommelpiste

Mercedes 711D an der Rommelpiste

Finde tatsächlich recht bald den Zimra-Canyon. Der ist zwar in der OpenStreetMap nicht vermerkt, aber bei Google Maps tragen die Tunesier gern alle möglichen lokalen Attraktionen ein. Da lohnt sich wirklich mal ein Klick in die Karte.

Canyon an der Rommelpiste

Canyon an der Rommelpiste

Den Zimra-Canyon lasse ich erst einmal links liegen und setze mich bei ziemlichem Sturm auf einen exponierten Felsen. Bei der senkrechten, etwa 100 Meter hohen Felswand unter mir halte ich mich allerdings lieber ordentlich fest.

Keine Wanderung ohne mein Dresdner Fernglas (DDoptics NXT 10×42)

Keine Wanderung ohne mein Dresdner Fernglas (DDoptics NXT 10×42)

Der Blick vom Djebel Chouabine hinunter nach Segdoud und in die Salzwüste des Schott el Djerid ist nicht schlecht. Nur leider nützt das Fernglas aufgrund des trüben Wetters in der Ferne nicht viel.

Blick hinunter in die Salzwüste von Chott el Djerid

Blick hinunter in die Salzwüste von Chott el Djerid

Aber in der Nähe ist das NXT praktisch, weil ich damit in dieser wegelosen Felswüste wider Erwarten einen Zugang zum Zimra-Canyon finde. Kann mit dem Fernglas nämlich halbwegs einschätzen, ob und wo ich möglicherweise durchkomme. Der Abstieg ist dann nicht nur wegen der vielen Blümchen spannend.

Blumen in der Gebirgswiese an der Rommelpiste

Blumen in der Gebirgswiese an der Rommelpiste

Unten ist der unbekannte Zimra-Canyon mindestens genauso schön wie die Canyons in den Bergoasen von Mides und Tamerza. Vor allem die Wasserbecken im Zimra-Canyon sind einzigartig.

Rommelpistencanyon

Rommelpistencanyon

Finde einen Strudeltopf, der bestimmt fünf Meter tief ist, vielleicht sogar sechs.

Tiefer Strudeltopf am Rommelpistencanyon

Tiefer Strudeltopf am Rommelpistencanyon

Ist allerdings schwierig, an solchen Hindernissen vorbeizukommen. Den Strudeltopf kann ich noch umgehen, an den Wasserbecken muss ich aber aus dem Canyon rausklettern. Dabei sieht das Wasser sogar recht gut aus, also zumindest zappelt darin nichts. Überlege schon, meine Sachen in den wasserdichten Ortlieb-Rucksack zu stopfen und durch das Wasserloch zu schwimmen. Schließlich ist hier niemand.

Wasserbecken am Rommelpistencanyon

Wasserbecken am Rommelpistencanyon

Aber ich bin dann doch zu faul und klettere wieder aus dem Canyon raus. Dachte zuerst, ich wäre am Djebel Chouabine ganz allein, sehe aber schon bald einen nomadischen Ziegenhirten. Der allerdings schläft noch bzw. spielt am Handy.

Bauernhof an der Rommelpiste

Bauernhof an der Rommelpiste

Ist jedenfalls eine schöne kleine Wanderung von der Rommelpiste zum Zimra-Canyon, und mir gefällt es hier richtig gut. Würde am liebsten noch ein paar Tage hier bleiben. Doch obwohl ich allein unterwegs und prinzipiell mein eigener Herr bin, habe ich gerade nicht viel Spielraum. Denn ich habe Salah versprochen, bei seinem Kumpel Ali auf dem Campingplatz zu übernachten. Und natürlich hat der bei Salah schon nachgefragt, wo ich denn bleibe. Also muss ich heute dorthin, denn ein Gast hat Verpflichtungen.

Pushlockreparatur, die zweite

Aber noch kann ich mich hier an der Rommelpiste ein bisschen vertrödeln. Und ich muss es auch, denn meinen Pushlock für eine Küchenschublade hat es gestern zerlegt. Hab erst den Plan, für die abgerissene Halterung ein Formteil zu kanten und dann so zu verschweißen, dass es steif wird. Blech, Kantbank, Schweißgerät und Strom führe ich in meinem gut sortierten Singlehaushalt natürlich auch auf Reisen mit. Weiß schließlich noch nicht, ob ich mich ohne die sonst übliche Kinderbetreuung nicht langweile.

Buswerkzeug

Buswerkzeug

Aber so langweilig ist mir gar nicht. Nehme also einfach das Pushlock von der Toilettentür und mache da nur eine Gummischnur daran. Ein einfacher Schnippsgummi ist auf Pisten sowieso viel besser und sicherer.

Gummischnur als Verschluss der Toilettentür

Gummischnur als Verschluss der Toilettentür

Bei der Gelegenheit bringe ich noch einige Ösen an, damit ich die Ausrüstung besser verstauen kann. Außerdem ziehe ich die Schmutzlappen hoch, weil ich mir die sonst in der ersten Sandstrecke abfahre.

Allradkolonne auf der Rommelpiste

Während ich also völlig allein unterwegs bin, zieht auf der Rommelpiste eine Allradkolonne nach der nächsten vorbei.

Allradkolonne auf der Rommelpiste

Allradkolonne auf der Rommelpiste

Hab immer wieder den Eindruck, dass vor allem die am besten ausgerüsteten Fahrzeuge nicht alleine ins Gelände fahren. Und die Rommelpiste ist ja noch nicht einmal Gelände. Das ist eine einfache, wenn auch etwas steile Betonstraße. 

Unimog und Land Rover auf der Rommelpiste

Unimog und Land Rover auf der Rommelpiste

Nun ja, jeder wie er mag. Ich mache ja auch, was ich will. Und bei aller Extrovertiertheit bin ich eben auch gern allein. Aber ein Wort ist ein Wort, und so muss ich jetzt zu Ali aufbrechen. Räume also noch den Bus auf und schmeiße um 15:30 Uhr die Motorvorwärmung mit dem neuen Abgasrohr an. Endlich hab ich keinen Qualm mehr im Radhaus.

Motor vorwärmen an der Rommelpiste

Motor vorwärmen an der Rommelpiste

Die Serpentinen der Rommelpiste sind im unteren Teil wirklich ein bisschen eng und steil. Aber das hat mir der Fahrlehrer schon in der LKW-Fahrschule auf dem W50 ohne Servolenkung zugebrüllt: Langsam fahren, schnell lenken. Muss so auch mit 3,60 Meter Radstand in keiner Serpentine rangieren. Mache allerdings auch keine Fotos. Und hier im Bild ist die Rommelpiste ja weder serpentinig noch steil. Ich musste einfach nur mal pullern und hab deswegen angehalten.

Mercedes 711D auf der Rommelpiste

Mercedes 711D auf der Rommelpiste

Schön ist die Rommelpiste auf jeden Fall – vor allem, weil man immer wieder eine weite Sicht nach Segdoud und auf die Ebene von Tozeur hat.

Sicht auf die Ebene von Tozeur

Sicht auf die Ebene von Tozeur

Sicher, unten gibt es ein bisschen Schotter, aber das ist nichts, was nicht auch ein normales Fahrzeug bewältigt. Man kann die Rommelpiste in beide Richtungen fahren, also von Süd nach Nord hinauf oder von Nord nach Süd hinunter. Aber klar, am einfachsten ist es, die Piste vom Djebel Chouabine bergab zu fahren. Die Bremse hat schließlich immer Allrad.

Schotterabschnitt der unteren Rommelpiste

Schotterabschnitt der unteren Rommelpiste

Segdoud-Piste nach Metlaoui

Westlich der Betonrommelpiste gibt es noch eine asphaltierte Variante, die auch ganz nett sein soll. Aber ich muss ja noch zu Ali und habe mir in den Kopf gesetzt, am Fuß des Djebel Chouabine irgendwie direkt nach Metlaoui zu fahren. Das macht schon mehr Spaß. Allerdings ist das doof, wenn man alleine unterwegs ist. Muss also für das gewünschte Offroadfoto den Bus abstellen, vorlaufen, das Handy mit Stativ aufbauen, zurückrennen, dann mit dem Bus möglichst nicht übers Handy fahren, wieder zurücklaufen und das Handy holen.

Selfievideo auf der Rommelpiste

Selfievideo auf der Rommelpiste

Auf dem Foto sieht das dann querfeldeinmäßig aus. Aber der Boden ist fest und der Bus hoch, da ist so eine Wadidurchfahrt kein Problem. Sieht man ja auch im zugehörigen Youtube-Video.

Mercedes 711D Offroad zwischen Rommelpiste und Metlaoui

Mercedes 711D Offroad zwischen Rommelpiste und Metlaoui

Und querfeldein ist das sowieso nicht, denn es gibt in der Karte eine gestrichelte Linie und vor Ort ein paar Fahrspuren. Ist zwar manchmal ein bisschen Rätselraten dabei, aber das macht ja gerade den Reiz von solchen Pisten aus.

Fahrspur zwischen Rommelpiste und Metlaoui

Fahrspur zwischen Rommelpiste und Metlaoui

Problematisch sind meist nur die Flussdurchfahrten. Ist zwar alles trocken heute, aber eben ziemlich steinig. Im Video sieht man, wie der Bus ein bisschen wackelt und auch mal aufsitzt, aber ansonsten gibt es auch hier keine Probleme.

Bisschen Offroad im Mercedes 711D

Bisschen Offroad im Mercedes 711D

Ist halt nur eine Menge Aufwand für die paar kleinen Videos und Fotos. Da bleibt der Spaß am Pistenfahren ein bisschen auf der Strecke. Hab mir zwar extra ein KI-Stativ mit automatischem Gimbal und Fahrzeugverfolgung gekauft, aber das Ding läuft ja auch nicht alleine vor.

KI-Stativ mit Gimbal und Objektverfolgung

KI-Stativ mit Gimbal und Objektverfolgung

Die Videos von der Dashcam sind auch nicht zu gebrauchen, denn da sieht man ja den Bus nicht. Und so laufe ich eben für die Fotos hin und her. Wobei ich nur Videos mache und die Fotos dann später rausziehe.

So ein Aufwand für ein Foto vom Pistenfahren

So ein Aufwand für ein Foto vom Pistenfahren

Wie auch immer, die Piste ist zwar kaum befahren, aber sogar mit Zwillingsreifen unproblematisch. Selbst durch ein langes Sandfeld komme ich mit Vollgas durch. Aber im Sand kann ich natürlich nicht anhalten und Fotos machen. Da ist so eine Asphaltstraße schon besser.

Asphaltstraße nach Metlaoui

Asphaltstraße nach Metlaoui

Muss ja sowieso immer wieder mal anhalten und die Zwillinge auf Steine kontrollieren. Aber das kombiniere ich gleich mit den Fotostopps.

Kontrolle der Zwillinge auf Steine (Falken Wildpeak AT3WA)

Kontrolle der Zwillinge auf Steine (Falken Wildpeak AT3WA)

Campingplatz bei Ali Bouchech

Der Campingplatz von Ali Bouchech allerdings ist ein bisschen schwierig zu finden. Zum Glück gibt’s eine Markierung auf Google Maps, denn vor Ort steht kein Schild und nichts. Stelle mich also nach Verdacht auf einen eingezäunten Stellplatz gegenüber der Moschee. Das ist also der Stellplatz, den ich unbedingt besuchen sollte.

Campingplatz bei Ali Bouchech in Metlaoui

Campingplatz bei Ali Bouchech in Metlaoui

Aber ich will nicht meckern, denn der Stellplatz liegt fast unmittelbar am Eingang zur Selja-Schlucht mit ihren zahlreichen Eisenbahntunneln. Und genau da will ich jetzt hinwandern.

Infos und Werbung

  • Stellplatz Dar Bouchech (Google Maps): Klick
  • Fernglas (DDoptics NXT 10×42)*: Klick
  • Dashcam mit Front-und Heckkamera (70mai A800SE)*: Klick
  • KI-Handy-Stativ mit Objektverfolgung (Insta360 Flow 2)*: Klick

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2 Kommentare

  1. Tom sagt:

    Könnt ihr mir mal bitte ein bisschen Rückmeldung geben, ob die Einbindung von Youtube-Videos über normale Links im Text sinnvoll ist und funktioniert?

  2. Markus sagt:

    Funktioniert alles tiptop! Vielen Dank für die Berichte und schöne Grüße aus den Bergen

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