Tunesien: Keine Party in Mides
Gastfreundschaft ist eine der wichtigsten Regeln in Tunesien, hat aber ihre eigenen Gesetze.
Gewichtsprobleme im Bus
Nach der Wanderung durch das nördliche Wadi von Mides muss ich den Bus aufräumen. Denn in einem unaufgeräumten Bus kann ich nicht arbeiten. Räume also alle Fächer aus, sortiere alles um und räume alles wieder rein. Danach sieht es sogar besser aus als vorher. Hab nur ein Problem, weil auf meinen Solotoren ja die beiden Sitzbänke auf der linken Busseite fehlen. Dazu hatte ich unter den Sitzbänken sechs Kisten mit schwerem Werkzeug stehen. Jetzt aber fehlt links das Gewicht, und zusätzlich ist das Werkzeug nach rechts unter die große rechte Sofatruhe gewandert.
Vom Gastgeber zum Freund
Salah bringt mir seinen Spezialtee mit frischen Orangenblüten und versucht, beim tunesischen Landwirtschaftsministerium für mich eine Genehmigung für einen Savannenbesuch in Bou Hedma zu bekommen. Das scheitert aber trotz einiger Telefonate am Ramadan. Da ist einfach niemand im Büro. Naja, da fahre ich eben einfach so hin. Sobald ich zu Fuß unterwegs bin, interessiert das sowieso niemanden mehr. Jedenfalls wird die Savanne in meinem Tunesien-Reiseführer sehr gelobt und da steht sogar eine (allerdings falsche) Telefonnummer dabei.
Dann reden wir noch ein offenes Wort über die von mir geplante Party. Also während des Ramadan wird das Ganze sowieso nichts. Und auch sonst gehört eine Dankeschönparty nicht zu den hier üblichen Prozeduren. Der Gast hat Gast zu sein und sonst nichts. Wenigstens übergebe ich das (durchweg alkoholfreie) Bier, die Geschenke sowie die Partyutensilien in die Verantwortung meiner Gastgeber. Salah ist nicht im Bild, aber links ist Mohammed der Superkoch und rechts Mohammed der Rettungsguide. Vielen Dank euch allen.
Geschenke vom Gast anzunehmen, kann Salah natürlich nicht auf sich sitzen lassen und so werde ich meinerseits noch überhäuft mit Abschiedsgeschenken. Das hausgemachte Bessisa kann man auch kaufen, aber ich darf natürlich nichts bezahlen. Das ist so eine Art Nusscreme mit Gerste und wird hier als universelles Heilmittel verwendet. Ich kannte das noch nicht, aber das ist eine super leckere Nascherei. Es gibt natürlich auch noch frische Datteln und Dattelsirup. Und genau so haben mich Salah und Zarah letztes Jahr nach meinem Sturz in die Schlucht schon eine Woche aufgepäppelt und dieses Jahr wieder verwöhnt.
Also noch einmal vielen Dank für alles! Salah und Zarah, ihr seid von meinen uneigennützigen Rettern zu fantastischen Gastgebern und echten Freunden geworden.
Abreise aus Mides
Ich repariere noch kurz den Wasserzulauf zum Sommertank und fülle beide Tanks mit frischem Bergoasenwasser. Gibt sogar einen langen Schlauch, der quer über den ganzen Campingplatz reicht und gern genutzt wird.
Eigentlich müsste ich noch bisschen was machen, aber der Laptop kriegt kein WLAN mehr, seit neben mir dieser übertrieben riesige Dreiachser steht. Naja, jetzt muss ich los. Internet hab ich auch unterwegs. Salah will mich jetzt eigentlich an alle seine Kumpels in Tunesien durchreichen und ist gar nicht erfreut darüber, dass ich an der Rommelpiste übernachten will. Zuletzt lockt er mich noch mit dem bevorstehenden Regen, weil er weiß, dass ich mir gern das durch die Schlucht gurgelnde Wasser anschauen würde.
Aber ich will mal wieder meine Freiheit haben und starte unbeirrt in Richtung Rommelpiste. Kann ja später noch mal in Mides vorbeikommen.






