Cap Angela Tunesien: Nördlichster Punkt Afrikas
Das Cap Angela hat als nördlichster Punkt Afrikas eine gewisse ideelle Bedeutung, vor allem aber einen hübschen Sandstrand.
Ariana Salzsee
Wollte eigentlich noch bisschen länger am Strand Tunis Gammarth bleiben, aber mittlerweile strömen die Besucher nur so zum Strand. Mache also spontan die Dieselheizung an und räume in der Zwischenzeit auf. Bin aber noch lange nicht fertig, als die Heizung ausgeht und der Motor warm ist. Fahre also viel zu früh los, was auf schlechten Straßen mit vielen Schlaglöchern ein einziges Chaos ergibt. Aber egal, es meckert ja niemand. Allerdings freut sich auch niemand mit mir über die Flamingos im Sebkha Ariana. Nee, so ganz alleine unterwegs sein ist nicht schön. Aber egal, da muss ich jetzt erstmal durch.
Fahre auf kürzester Route am Meer entlang. Bin dadurch zwar übel langsam, sehe aber was. Wie z.B. diesen Berliet LKW an der Medjerda-Mündung.
Aber klar, irgendwann ist es vorbei mit Wochenmärkten und Dörfern und Einbahnpisten und ich bin wieder auf der Hauptstraße.
Ist jetzt am späten Nachmittag schönes Wetter und tolles Licht, aber da ich ja zur nördlichsten Spitze Afrikas fahre, konzentrieren sich die meisten Fotoobjekte auf der linken Seite und damit im Gegenlicht. Flamingos und Störche und Schafe und solche Sachen. Auch der Lac de Bizerte liegt westlich der Straße. Na ja, egal.
Den Canal Bizerte könnte ich natürlich auch mit dem Licht nach Osten fotografieren, aber ich sitze ja nun mal auf der linken Seite vom Bus und kann Fotojobs nicht mehr delegieren.
Für vorn und hinten hab ich noch kurz vor der Tunesienreise eine Dashcam gekauft, die auf Kommando Fotos macht. Also theoretisch, denn praktisch ist die noch nicht installiert.
Cap Angela im Sonnenuntergang
Nach Bizerte wird der Norden Tunesiens immer grüner. Hat viel geregnet in der letzten Zeit.
Allerdings ist die Anfahrt zum Cap Angela auch recht hügelig und pistig.
Und so hopst mir bei einem unerwarteten Schlagloch der ganze Armaturenbrettkram runter auf den Boden. Mein armes Fernglas.
Muss also entgegen meiner Gewohnheiten mal anhalten, bevor das Cap Angela erreicht ist. Aber man sieht zumindest schon das Meer.
Erreiche den nördlichsten Punkt Afrikas dann ziemlich genau mit Sonnenuntergang. Aber das ist egal, dann man sieht hier oben im Norden Afrikas sowieso nur einen Felsen, einen Leuchtturm, etwas Sand und das Meer.
Um der Bedeutung vom Cap Angela gerecht zu werden, hat Tunesien eine Edelstahl-Skulptur nebst Fahne und Sitzbank aufgestellt. Da will ich mich mal nicht beschweren.
Solche Punkte haben sowieso nur ideellen Wert. Für mich ist eher interessant, dass es am Cap Angela eine schöne Badebucht sowie einen ruhigen Stellplatz gibt.
Muss nämlich mal richtig aufräumen. Also nicht nur Chaos beseitigen, sondern Grundordnung reinbringen. Hab zu Hause die ganze Ausrüstung für die Tunesienreise ja nur lose in den Bus geschmissen. Koche mir dann mit Solarstrom einen Mix aus Ei, Kartoffel, Möhre und Zwiebel. Jaja, jeweils im Singular. Anschließend studiere ich den Tunesien-Reiseführer und mache kurz vor zehn noch einen Spaziergang zum Leuchtturm.
Stellplatz am Cap Angela
22 Uhr fallen mir die Augen zu und ich verkrümel mich auf mein Sofa. Das ist zwar schmal, aber ich schlafe dort hervorragend. Bin also schon 6:30 Uhr wach und laufe auf der Suche nach dem perfekten Sonnenaufgangsfoto um den Bus herum. Aber da ist heute nichts zu holen.
Egal, dafür nutze ich den Tag besser, wenn ich vor der Sonne aufstehe. Trinke also ein Glas schwedischen Mangosaft, der auch nicht viel besser als Wasser ist, koche einen Tee mit Solarstrom, putze Zähne und gehe spazieren. Sehe dabei, wie ein älterer Herr vom Leuchtturm runter zur Badebucht steigt und dort Wasser trinkt. Mit dem Fernglas ist das ja alles kein Problem. Hab das mittlerweile routinemäßig um den Hals hängen und nutze das intensiv und gern..
Jedenfalls muss ich mal schauen, was das mit dem Trinkwasser auf sich hat. Und tatsächlich gibt es unter dem Leuchtturmfelsen lauwarme Quellen.
Aber das Thermometer zeigt, dass es dann doch nur 18° sind.
Und wenn ich das Laserthermometer schon mal in der Hand habe, kann ich gleich noch die Wassertemperatur am Strand von Cap Angela messen.
Der Strandmüll am Cap Angela würde mich vom Baden nicht abhalten, allerdings fehlt mir ein bisschen die Zeit. Denn ich will bzw. muss heute noch zum Nationalpark Ichkeul, da ich ja einen Partytermin Mides habe.
Männerprobleme mit dem China Girl Stativ
Will auch noch Dashcam und das automatische Verfolgungs-Stativ einrichten. Die Dashcam ist vorn und hinten schnell an die Scheibe gesteckt. Das Stativ allerdings ist eine Herausforderung. Das ist so ein Ding mit elektronischem Eigenleben, das man wie einen Selfie-Stick ausziehen kann, das einen automatischen Gimbal hat und das auch auf drei (wackeligen) Beinen stehen kann. Dazu soll es mich bzw. den Bus mit einem KI-Fokus verfolgen können, weshalb ich das Stativ ja gekauft habe. In diversen Tutorials machen chinesische Girls Selfie-Videos und tragen das Stativ wie eine Feder. Dabei ist das Ding schwer, unhandlich und komplex zu bedienen. Mache jedenfalls gleich ein Video vom Bus auf der Sandpiste am Cap Angela, vergesse allerdings ein Foto vom Stativ.
Das schneeweiße Ding ist für mich wie eine Schlange, die sich in der Hand windet wie verrückt, um das aufgesteckte Handy in einer Position zu fixieren. Auf Knopfdruck wird das Handy dann auch geschwenkt und gedreht und ausgelöst. Aber bei den vielen Knöpfen und Wischbewegungen sehe ich auch nach intensivem Studium der Bedienungsanleitung ehrlich gesagt noch nicht so richtig durch. Da ist mir die gute alte Mechanik wesentlich lieber. Aber gut, ich habe niemanden, der oder lieber die mit natürlicher Intelligenz Videos vom Bus macht. Und bei Personalmangel muss eben die KI ran. Das beste am Stativ ist die zugehörige Software, die Nummernschilder automatisch löscht. Funktioniert allerdings auch nicht ganz ideal, wie man im zugehörigen Youtube-Video sehen kann.
Mein Teetassenhalter hingegen hat keinen Gimbal und schwappt deshalb auf der Sandpiste am Cap Angela über.
Dashcam als Rückfahrkamera
Während ich mit dem Stativ noch üben muss, zaubert mir die Dashcam ein breites Grinsen ins Gesicht. Kann jetzt nämlich abgesehen von diesen Dauervideos auf Sprachbefehl Fotos machen lassen. Selbst die Heckkamera ist installiert, allerdings mit einer fliegenden USB-C-Leitung quer durch den ganzen Bus. Aber die Heckkamera brauche ich, weil ich ja niemanden mehr habe, der mich beim Rückwärtsfahren von der Hecktür aus einweist. Das Bild der Heckkamera ist auf dem Monitor zwar zu klein, aber das kann ich mir auch aufs Handy spiegeln. Also die Dashcam funktioniert, wenn auch mit installationellen Einschränkungen.
Wenn mir also jetzt im Nationalpark Ichkeul ein paar von den Millionen Vögeln vor dem Bus hochflattern, kann ich die schön aufnehmen.
























