Tunesien: Klapprad im Phosphatbergbau Metlaoui

Der Phosphatbergbau rund um Metlaoui hinterlässt eine Mondlandschaft, zeigt auf einer Fahrradtour aber auch seine Reize.

Minifahrrad und Riesenmuldenkipper in Metlaoui

Minifahrrad und Riesenmuldenkipper in Metlaoui

Radweg durch den Phosphatbergbau

Nach den ganzen Nervenkitzel durch die Eisenbahntunnel der Seldja-Schlucht und noch zwei Eisenbahnbrücken kann ich rechts auf eine Piste abzweigen. Ist recht unspektakuläres tunesisches Hinterland.

Fahrradtour im Phosphatbergbau Metlaoui

Fahrradtour im Phosphatbergbau Metlaoui

Wobei die beiden monströsen 8-Zylinder-Stromerzeuger schon Eindruck machen. Also ich nehme mal an, dass das Generatoren sind bzw. waren.

8-Zylinder-Stromerzeuger von Moteurs Duvant von 1978

8-Zylinder-Stromerzeuger von Moteurs Duvant von 1978

Könnten aber auch riesige Pumpstationen gewesen sein, denn die Oase oberhalb der Seldja-Schlucht wird intensiv bewässert. Und Bewässerung ist am Rand der Sahara meist Raubbau an fossilem Grundwasser, das aus immer größeren Tiefen gefördert werden muss und entsprechende Pumpen braucht.

Piste zwischen Seldja-Schlucht und Hauptsraße nach Moulares

Piste zwischen Seldja-Schlucht und Hauptsraße nach Moulares

Fahre in einem Bogen durch den Phosphatbergbau nach Metlaoui. Ist praktisch, wenn man so ein kleines, aber feines Klapprad dabei hat.

Hauptstraße durch den Phosphatbergbau nach Metlaoui

Hauptstraße durch den Phosphatbergbau nach Metlaoui

Treffe am Abzweig zur RR122 drei französische Radfahrer, die nach Mides wollen. Wir quatschen ein bisschen, und ich schlage ihnen eine alternative Radroute zur stark befahrenen Hauptstraße vor. Ob sie dann wirklich besser ist, können sie allerdings nur selbst herausfinden. Trage ihnen auf, Salah schöne Grüße zu bestellen und sich an meinem schönen alkoholfreien Radler zu bedienen. Party ist ja nun nicht mehr.

Radfahrer auf dem Weg von Metlaoui nach Moulares

Radfahrer auf dem Weg von Metlaoui nach Moulares

Für mich geht es in die Gegenrichtung und nicht mehr ausschließlich gegen den Wind. Die Bergbaulandschaft kenne ich ja schon, aber jetzt in der Sonne ist sie noch einmal beeindruckender.

Phosphatbergbau bei Metlaoui

Phosphatbergbau bei Metlaoui

Rausche mit vollem Schwung auf den schon vom letzten Jahr bekannten Betriebshof, lasse mich von zehn Hunden nicht stören, mache schnell ein Foto vom Klapprad vorm Kipper und werde auch schon wieder vom Hof gejagt. Aber das Foto ist mein. Hat schließlich eine gewisse Tradition, da ich schon vor ewigen Zeiten mit dem Mercedes 407 im Phosphattagebau Boukra in der Westsahara war, letztes Jahr mit dem Mercedes 711 genau hier in Metlaoui und nun jetzt noch mal mit dem Fahrrad. Ich mag solcherart Kontinuität.

Minifahrrad und Riesenmuldenkipper in Metlaoui

Minifahrrad und Riesenmuldenkipper in Metlaoui

Ansonsten ist der Phosphatbergbau rund um Metlaoui nur dann eine besondere Attraktion, wenn man Mondlandschaften mag.

Phosphatbergbau in Metlaoui

Phosphatbergbau in Metlaoui

Ich jedenfalls finde den Phosphatbergbau rund um Metlaoui interessant. Nur leider sind die kilometerlangen Förderbänder nicht in Betrieb.

Förderband des Phosphatbergbaus in Metlaoui

Förderband des Phosphatbergbaus in Metlaoui

Metlaoui

Unten in Metlaoui besuche ich zum ersten Mal auf dieser Tunesienreise einen Supermarkt, weiß aber gar nicht so richtig, was ich kaufen soll. Okay, war nur so ein Reflex.

Tunesischer Supermarkt in Metlaoui

Tunesischer Supermarkt in Metlaoui

Erwerbe stattdessen direkt von der Ladefläche eines Pickups ein paar Orangen sowie an einem kleinen Stand ein dunkles, fast schwarzes Baguette. Will allerdings nicht in aller Öffentlichkeit reinbeißen, sondern stecke das erstmal nur in meine Tasche. Ist ja noch Ramadan. Aber ich frage mich schon, ob das lecker oder nur verbrannt ist. Nehme deswegen zur Sicherheit noch ein zweites Baguette.

Schwarzes tunesisches Spezialbaguette

Schwarzes tunesisches Spezialbaguette

Die (alten?) Gleise der Phosphatbahn haben in Metlaoui eine große Bedeutung, wenn auch nur als Müllabladeplatz.

BAhnstrecke in Metlaoui

BAhnstrecke in Metlaoui

Aber im Bahnhof Metlaoui stehen ein paar Phosphatzüge.

Phosphatzüge im Bahnhof Metlaoui

Phosphatzüge im Bahnhof Metlaoui

Im imposanten Bahnhofsgebäude habe ich schon letztes Jahr nachgefragt, wann der Lezard Rouge endlich wieder fährt, aber auch 2026 weiß niemand, wann die Rote Eidechse fertig ist und Touristen in die Seldja-Schlucht bringt.

Toter Bahnhof des Lezard Rouge in Metlaoui

Toter Bahnhof des Lezard Rouge in Metlaoui

In dieser komischen Halle hat der Lezard Rouge nach der hochwasserbedingten Einstellung der Tunnelstrecke durch die Seldja-Schlucht bis zum Abtransport des zerstörten Zugs nach Tunis gestanden.

Temporäre Halle für den Lezard Rouge

Temporäre Halle für den Lezard Rouge

Ist schön, mit dem Fahrrad durch die Stadt zu trödeln. Aber Metlaoui ist nicht groß, und ich habe schon bald alles gesehen.

Hauptstraße von Metlaoui

Hauptstraße von Metlaoui

Starte einem Händler von algerischem Sprit einen Besuch ab und versuche mit dem Minifahrrad in der Hand den Preis für 100 l Diesel zu erfragen.

Algerischer Sprithändler in Metlaoui

Algerischer Sprithändler in Metlaoui

Das hier übliche Ansaugen von Benzin und Diesel mit dem Mund scheint sich aber drastisch auf die kognitive Leistungsfähigkeit auszuwirken. Erst will er mir den aus Algerien geschmuggelten Diesel zum anderthalbfachen Tankstellenpreis verkaufen, lässt sich dann aber bis auf 2,20 Dinar „runterhandeln“. Das ist aber immer noch ein Zuschlag von 10% auf den normalen Dieselpreis von 1,98 Tunesischen Dinar (70 Cent). Super, da bin ich aber dankbar.

Was ist der Preis für 100 Liter algerischen Diesel in Tunesien

Was ist der Preis für 100 Liter algerischen Diesel in Tunesien

Ich frage mich wirklich, was der getrunken hat. Aber das fragt er sich bei mir wohl auch, denn ich bin mit dem Fahrrad da und erkläre auf seine Nachfrage, wozu ich 100 Liter Diesel brauche, dass mein Minifahrrad mit Diesel fährt. Als er noch sichtbar nachdenkt, verabschiede ich mich und fahre schon mal weiter. Nee, so kommen ich und der geschmuggelte Algeriendiesel nicht zusammen.

Von Metlaoui zur Oase Richet Naam

Metlaoui ist nun wirklich abgehakt und ich rausche mit Rückenwind zurück zur Seldja-Schlucht.

Ausfallstraße von Metlaoui zur Seldja-Schlucht

Ausfallstraße von Metlaoui zur Seldja-Schlucht

Der Coup de Sable (Säbelhieb) als Eingang zur Seldjaschlucht ist am Nachmittag besonders schön illuminiert.

Coup de Sable (Säbelhieb) - Eingang zur Seldjaschlucht

Coup de Sable (Säbelhieb) – Eingang zur Seldjaschlucht

Doch ein viertes Mal muss ich da nicht durch und fahre direkt zur Oase Richet Naam. In der Karte steht was anderes, aber ich halte mich mal ans Ortseingangsschild.

Oase Richet Naam am Eingang zur Seldja-Schlucht

Oase Richet Naam am Eingang zur Seldja-Schlucht

Bin nach exakt 50 Kilometern zurück am Bus und schleiche noch ein bisschen durch die Oase.

Mercedes 711D in der Oase Richet Naam

Mercedes 711D in der Oase Richet Naam

Die Oase hinter Ali Bouchechs Campingplatz ist allerdings ziemlich vertrocknet und nicht besonders schön. Der Platz selbst ist nett gemacht, nur etwas verwaist.

Toilette auf dem Camping Dar Bouchech

Toilette auf dem Camping Dar Bouchech

Aber ich muss hier weg. Ich will endlich wieder frei sein. Und wenn ich die ganze Nacht Pisten fahren muss, heute will ich in der Savanne Bou Hedma übernachten.

Infos

  • Stellplatz Dar Bouchech (Google Maps): Klick

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