Tunesien: Klapprad im Phosphatbergbau Metlaoui
Der Phosphatbergbau rund um Metlaoui hinterlässt eine Mondlandschaft, zeigt auf einer Fahrradtour aber auch seine Reize.
Radweg durch den Phosphatbergbau
Nach den ganzen Nervenkitzel durch die Eisenbahntunnel der Seldja-Schlucht und noch zwei Eisenbahnbrücken kann ich rechts auf eine Piste abzweigen. Ist recht unspektakuläres tunesisches Hinterland.
Wobei die beiden monströsen 8-Zylinder-Stromerzeuger schon Eindruck machen. Also ich nehme mal an, dass das Generatoren sind bzw. waren.
Könnten aber auch riesige Pumpstationen gewesen sein, denn die Oase oberhalb der Seldja-Schlucht wird intensiv bewässert. Und Bewässerung ist am Rand der Sahara meist Raubbau an fossilem Grundwasser, das aus immer größeren Tiefen gefördert werden muss und entsprechende Pumpen braucht.
Fahre in einem Bogen durch den Phosphatbergbau nach Metlaoui. Ist praktisch, wenn man so ein kleines, aber feines Klapprad dabei hat.
Treffe am Abzweig zur RR122 drei französische Radfahrer, die nach Mides wollen. Wir quatschen ein bisschen, und ich schlage ihnen eine alternative Radroute zur stark befahrenen Hauptstraße vor. Ob sie dann wirklich besser ist, können sie allerdings nur selbst herausfinden. Trage ihnen auf, Salah schöne Grüße zu bestellen und sich an meinem schönen alkoholfreien Radler zu bedienen. Party ist ja nun nicht mehr.
Für mich geht es in die Gegenrichtung und nicht mehr ausschließlich gegen den Wind. Die Bergbaulandschaft kenne ich ja schon, aber jetzt in der Sonne ist sie noch einmal beeindruckender.
Rausche mit vollem Schwung auf den schon vom letzten Jahr bekannten Betriebshof, lasse mich von zehn Hunden nicht stören, mache schnell ein Foto vom Klapprad vorm Kipper und werde auch schon wieder vom Hof gejagt. Aber das Foto ist mein. Hat schließlich eine gewisse Tradition, da ich schon vor ewigen Zeiten mit dem Mercedes 407 im Phosphattagebau Boukra in der Westsahara war, letztes Jahr mit dem Mercedes 711 genau hier in Metlaoui und nun jetzt noch mal mit dem Fahrrad. Ich mag solcherart Kontinuität.
Ansonsten ist der Phosphatbergbau rund um Metlaoui nur dann eine besondere Attraktion, wenn man Mondlandschaften mag.
Ich jedenfalls finde den Phosphatbergbau rund um Metlaoui interessant. Nur leider sind die kilometerlangen Förderbänder nicht in Betrieb.
Metlaoui
Unten in Metlaoui besuche ich zum ersten Mal auf dieser Tunesienreise einen Supermarkt, weiß aber gar nicht so richtig, was ich kaufen soll. Okay, war nur so ein Reflex.
Erwerbe stattdessen direkt von der Ladefläche eines Pickups ein paar Orangen sowie an einem kleinen Stand ein dunkles, fast schwarzes Baguette. Will allerdings nicht in aller Öffentlichkeit reinbeißen, sondern stecke das erstmal nur in meine Tasche. Ist ja noch Ramadan. Aber ich frage mich schon, ob das lecker oder nur verbrannt ist. Nehme deswegen zur Sicherheit noch ein zweites Baguette.
Die (alten?) Gleise der Phosphatbahn haben in Metlaoui eine große Bedeutung, wenn auch nur als Müllabladeplatz.
Aber im Bahnhof Metlaoui stehen ein paar Phosphatzüge.
Im imposanten Bahnhofsgebäude habe ich schon letztes Jahr nachgefragt, wann der Lezard Rouge endlich wieder fährt, aber auch 2026 weiß niemand, wann die Rote Eidechse fertig ist und Touristen in die Seldja-Schlucht bringt.
In dieser komischen Halle hat der Lezard Rouge nach der hochwasserbedingten Einstellung der Tunnelstrecke durch die Seldja-Schlucht bis zum Abtransport des zerstörten Zugs nach Tunis gestanden.
Ist schön, mit dem Fahrrad durch die Stadt zu trödeln. Aber Metlaoui ist nicht groß, und ich habe schon bald alles gesehen.
Starte einem Händler von algerischem Sprit einen Besuch ab und versuche mit dem Minifahrrad in der Hand den Preis für 100 l Diesel zu erfragen.
Das hier übliche Ansaugen von Benzin und Diesel mit dem Mund scheint sich aber drastisch auf die kognitive Leistungsfähigkeit auszuwirken. Erst will er mir den aus Algerien geschmuggelten Diesel zum anderthalbfachen Tankstellenpreis verkaufen, lässt sich dann aber bis auf 2,20 Dinar „runterhandeln“. Das ist aber immer noch ein Zuschlag von 10% auf den normalen Dieselpreis von 1,98 Tunesischen Dinar (70 Cent). Super, da bin ich aber dankbar.
Ich frage mich wirklich, was der getrunken hat. Aber das fragt er sich bei mir wohl auch, denn ich bin mit dem Fahrrad da und erkläre auf seine Nachfrage, wozu ich 100 Liter Diesel brauche, dass mein Minifahrrad mit Diesel fährt. Als er noch sichtbar nachdenkt, verabschiede ich mich und fahre schon mal weiter. Nee, so kommen ich und der geschmuggelte Algeriendiesel nicht zusammen.
Von Metlaoui zur Oase Richet Naam
Metlaoui ist nun wirklich abgehakt und ich rausche mit Rückenwind zurück zur Seldja-Schlucht.
Der Coup de Sable (Säbelhieb) als Eingang zur Seldjaschlucht ist am Nachmittag besonders schön illuminiert.
Doch ein viertes Mal muss ich da nicht durch und fahre direkt zur Oase Richet Naam. In der Karte steht was anderes, aber ich halte mich mal ans Ortseingangsschild.
Bin nach exakt 50 Kilometern zurück am Bus und schleiche noch ein bisschen durch die Oase.
Die Oase hinter Ali Bouchechs Campingplatz ist allerdings ziemlich vertrocknet und nicht besonders schön. Der Platz selbst ist nett gemacht, nur etwas verwaist.
Aber ich muss hier weg. Ich will endlich wieder frei sein. Und wenn ich die ganze Nacht Pisten fahren muss, heute will ich in der Savanne Bou Hedma übernachten.
Infos
- Stellplatz Dar Bouchech (Google Maps): Klick






















