Erste Reifenpanne der Tunesienreise
Eine erste Reifenpanne und knapper Diesel sorgen für Nervenkitzel auf der Autobahnfahrt quer durch Deutschland und die Schweiz.
Autobahnurlaub
10 Jahre fahre ich den Mercedes 711D mittlerweile schon. Und trotzdem ist das heute eine Premiere, weil ich zum ersten Mal alleine auf Reisen gehe(n muss). Fahre zur Ermittlung des Reisegewichts noch mal kurz auf die Waage, aber 09:45 Uhr beginnt der Urlaub auf der Autobahn. Bleibe immer schön im grünen Drehzahlbereich, denn Diesel ist teuer und ich habe Zeit. Spare auch mit dem gehäkelten Pralltopf anstatt des zerbröselten Mercedes-Sterns.
Reifenpanne
So alleine fehlt mir allerdings ein bisschen die Unterhaltung und ich fange an, mich zu langweilen. 13:30 Uhr schlägt die Langeweile in Müdigkeit um. Also am nächsten Parkplatz für einen Powernap raus. Sehe dann bei der Abfahrtskontrolle, dass ein Reifen platt ist. Ist mein erster Schaden in 42.000 km und 4 Jahren mit den Falken Wildpeak AT3WA. Und das sind Winterreifen, die ich das ganze Jahr fahre.
So ein Radwechsel auf dem Autobahnparkplatz ist kein großer Akt. Erst recht nicht mit dem Schlagschrauber.
Nach 8 Minuten ist das defekte Rad runter. Und zwar inklusive Umziehen, Werkzeugsuche und Abbauen des Reserverads.
Bisschen länger brauche ich für die Suche nach der Ursache für den Luftverlust. Finde einen ganz komischen Stein mit Widerhaken und langer Spitze. Definiere den als Übeltäter und markiere die Stelle für eine etwaige spätere Reparatur.
Nach 48 Minuten sitze ich da und bediene mich am Vorrat für die tunesische Dankeschönparty. Hab ja zum Glück (bzw. wegen meiner Vorlieben) genug alkoholfreies Radler dabei. Bier auch, aber das würde ich mir freiwillig nicht aufmachen. Das ist nur für meine tunesischen Retter, Helfer und Gäste gedacht. Was sich übrigens auch immer wieder bewährt, ist das konsequente Tragen von Arbeitsschutzkleidung.
Nach 5 Minuten auf der Bahn fällt mir schlagartig ein, dass ich die Radmuttern ja nur mit dem Schlagschrauber angezogen habe. Wobei angezogen der falsche Begriff ist. Ich nutze den Schlagschrauber nämlich nur wie einen Akkuschrauber, würde also nie die Radmuttern damit anziehen. Der Schlagschrauber bringt zwar bis 700 Nm, ist aber beim Anziehen einfach zu ungenau. Da ist Gefahr im Verzug und ich halte direkt auf dem Standstreifen, um die Radmuttern mit dem Drehmomentschlüssel anzuziehen. Wie konnte ich das vergessen. War vielleicht das Radler doch alkoholisiert? Nicht zu fassen.
Die Radmuttern sind kaum handfest. Das war echt knapp. Aber ich denke, dass die speziellen Heico-Lock Radsicherungsmuttern mit den doppelten Keilsicherungsscheiben das Lösen der Radmuttern verhindert und so das viel zu lockere Rad wenigstens halbwegs auf der Nabe gehalten haben. Mit den originalen Radmuttern hätte ich das Vorderrad wahrscheinlich auf der Autobahn verloren.
Kopfhörer statt Schalldämmung?
Mit ordentlich angezogenen Radmuttern und Musik aus dem Radio rollt es sich wesentlich angenehmer über die Bahn. Und da ich ja alleine bin, kann ich auch mal meine extra gekauften Kopfhörer ausprobieren. Ist echt krass, wie gut die kleinen Teile sämtliche Fahrgeräusche unterdrücken. Nun ist mein Bus zusätzlich schallgedämmt und nicht sehr laut, aber musikmäßig kann ich mich eigentlich nur mit Rammstein und solchem Zeug unterhalten. Mit den Kopfhörern ist plötzlich auch Vivaldi drin. Echt krass. Da hätte ich mir ja den ganzen Aufwand für die Schalldämmung sparen können.
Allerdings ist das totale Noise Cancelling schon problematisch, weil man ja reinweg überhaupt nichts mehr hört. Wenn ich nicht auf den Drehzahlmesser schaue, merke ich nur am Kribbeln in den Füßen, dass der Motor zu untertourig läuft. Aber mit zwei Klicks auf den linken Kopfhörer schaltet die Technik um auf einen Modus, in dem Außengeräusche sanft durchdringen. Immer noch geil und nun wahrscheinlich sogar erlaubt.
Boxenstrategie für die Anreise nach Tunesien
830 km nach dem letzten Tankstellenbesuch überlege ich hin und her, ob ich die 200 km bis ins tankmäßig billigere Österreich noch schaffe. Aber 1.030 km sind mit einer Tankfüllung schon knapp. Kriege ja nur 130 Liter in die beiden Tanks. Fülle also in Aalen sicherheitshalber doch mal 30 Liter nach. Nervenkitzel ist okay, aber auf der Anreise zur Fähre brauche ich das nicht. Wobei ich eigentlich genug Zeit habe. Stelle in Lindau sogar mal den Bus ab und schaue mir den Sonnenuntergang am Bodensee an.
In Österreich kostet der Diesel tatsächlich „nur“ 1,58 €. In Tunis allerdings kann ich für 70 Cent tanken, und das sind nicht mal 500 km. Also ist die Boxenstrategie klar und ich tanke nur 80 Liter. Der niedrige Dieselpreis in Tunesien ist dabei aber nur eine Überlegung. Genauso wichtig finde ich, nicht mit vollen Tanks über die Alpen zu müssen.
Im Dunkeln über den San-Bernardino-Pass
Österreich ist mautmäßig ja ziemlich einfach, wenn eine GO-Box an der Scheibe hängt. Da ist zumindest fünf Jahre Ruhe. In der Schweiz muss ich die Schwerverkehrsabgabe vorher buchen. Seit 2025 gibt es nur noch 7 Tage für 25 Franken. Dabei bin ich höchstens 7 Stunden in der Schweiz unterwegs. Aber was soll’s, der San Bernardino ist das wert. Bin alleine, hab ordentliche Zusatzscheinwerfer, einen warmen Bus und leere Tanks. Da macht die Auffahrt zum San Bernardino Spaß.
Mache den Bus oben auf dem San Bernardino schon mal für die Nacht bereit.
Gehe noch ein Stück spazieren und finde einen schönen Mercedes NG 2644 AK. Da hat es der Schweizer Straßendienst bei der LKW-Bestellung ordentlich krachen lassen. Möchte fast behaupten, dass es in Deutschland noch nicht mal heute orangene LKWs mit 440 PS gibt.
Beim Stapfen durch den Schnee fällt mir ein, dass meine Trinkwasseranlage im Bus schon im Sommermodus läuft und es ziemlich frostig ist. Rolle also noch den San Bernardino runter und bin genau Mitternacht am Comer See. Der Stellplatz ist nicht schön, aber für eine Nacht geht das schon mal.
Morgen will ich ja sowieso direkt zum Hafen Genua.
Infos und Werbung
- Dresden – Nürnberg – Feuchtwangen – Ulm – Lindau – Chur – San Bernardino – Lugano – Como | Italien | 916 km
- Die pauschale Schwerverkehrsabgabe (PSVA) für die Schweiz kann (bzw. muss?) man online bezahlen (Via, 25 SFR, 7 Tage): Klick
- Den Akku-Schlagschrauber nutze ich zum Lösen bis 1000 Nm und als Schrauber (Makita DTW701Z)*: Klick
- Heico-Lock Radsicherungsmuttern verhindern das Lösen der Räder (M14x1,5 am Mercedes 711D): Klick
- Meine Bluetooth-Kopfhörer sind klein, durchdacht und haben die perfekte Geräuschunterdrückung (JBL Tour Pro 3)*: Klick
















Moin
wie häufig sind diese Radsicherungsmuttern zu verwenden? Beißen sich die Zähnchen nicht in die Limesringe und Felge und verursachen immer wieder neue kleine Schäden? Wenn man sich die Herstellerfotos ansieht, sieht es für mich an einmaligen Gebrauch aus.
Danke für die Erinnerung an meine ramponierten Radmuttern, die mal ersetzt werden wollen!
PS: Schön das der Blog hier weitergeht!
Das ist ein guter Punkt. Die kleinen Zähnchen fressen sich bestimmt ein Stück in die Felge. Muss mal schauen, wie sich das langfristig auswirkt. Aber jetzt sitzen die Felgen bombenfest.
die Änderung, das man plötzlich alleine fährt ist schon eine event auch schmerzhafte Änderung, wo sind die unzähligen Kinder in der Zeit 🙂
ich lese deine Blogs immer sehr gerne.
gute Reise
Ach, die Männer-WG funktioniert auch ohne mein Zutun wunderbar. Sind ja zum Glück alle schon groß.
oh, sollte nicht anonym sein