Dieselundichtigkeit Zylinderkopf OM364: Suche und Diagnose
Eine Dieselundichtigkeit im Motor ist überhaupt nicht gut und kann bei Vermischung mit Motoröl zu kapitalen Schäden führen.
Dieselundichtigkeit als Problem fürs Motoröl
Beim Wechsel der Bremsleitung vorne rechts musste ich ja den halben Motorraum auseinanderreißen und hab dabei gleich das ganze Kühlwasser gewechselt. Und wie ich den Motor zum Entlüften kalt starte und von unten die Dichtigkeit der Ablassschrauben am Motorblock und Ölkühler prüfe, sehe ich Diesel hinten am Motorblock runterlaufen. Scheinbar tritt der Diesel zwischen Zylinderkopfhaube und Zylinderkopf aus.
Au weia. Diesel im Zylinderkopf ist überhaupt nicht gut. Und bevor der Diesel schon derartig raussuppt, ist der schon lange im Motoröl. Sehe am Peilstaub zwar keine Motorölvermehrung und rieche da auch keinen Diesel, aber das war eindeutig Diesel, der da am Motor runterläuft. Bis zur Abfahrt nach Tunesien hab ich noch eine Woche Zeit. Bestelle mir also noch vor der genauen Analyse der Dieselundichtigkeit einen neuen Kanister Addinol Motoröl, denn der Rest im letzten Kanister reicht nicht für einen ganzen Ölwechsel. Und das Suoer Truck ist nun mal das von Mercedes explizit freigegebene Motoröl. Da fülle ich nichts anderes ein.
Suche der Dieselundichtigkeit
Abbau Ventildeckelhaube
Wenn Diesel an der Zylinderkopfhaube austritt, werde ich wohl erstmal den Deckel abnehmen. Dazu muss der Ölabscheider runter. Die Mutter ist nicht fest, aber eben Schlüsselweite SW50. Hatte mir da mal einen prinzipiell passenden, gekröpften Schlüssel bestellt, aber eben bei der Schlüsselweite die 46 gewählt. Warum auch immer. Benutze den Schlüssel mit einem von 46 auf 50 mm aufgeflexten Maul trotzdem. Ist nicht ideal, aber jedenfalls besser, als die Mutter mit Hammer und Meißel zu öffnen.
Dann muss ich die Ölnebelleitung abnehmen. Wie man sieht, habe ich schon mal etwas Rostschutz im Motorraum aufgetragen.
Jetzt fehlen nur noch die drei M8-Schräubchen, und ich kann die Zylinderkopfhaube am OM 364A abnehmen.
Ausbau Leckölleitung am Zylinderkopf
Auf den ersten Blick springt mich keine Dieselundichtigkeit an. Aber ich musste an der Leckölleitung im Zylinderkopf wegen Undichtigkeit unlängst mal die Schlauchleitung wechseln. Vielleicht habe ich da die Leckölleitung beschädigt? Also alles mal demontieren.
Ist ja auch mal interessant, die Abdichtung der Dieselleitungen im Zylinderkopf zu sehen. Die linke Schraube sitzt im Zylinderkopf, Gummidichtung und Unterlegscheibe darin und mit der rechten Schraube wird alles von außen zusammengeklemmt.
Die Leckölleitung am Zylinderkopf wechselt den Durchmesser von 6 mm auf 3,5 mm. Da werden scheinbar zwei Rohre aufeinander gepresst. Aber das ist dicht.
Prüfung der Düsenstöcke
Eigentlich müsste ich den Motor mal mit offener Ventildeckelhaube laufen lassen. Dann sollte ich ja sehen, wo der Diesel herkommt. Allerdings traue ich mich nicht so richtig, weil ich eine riesige Ölsauerei befürchte.
Aber die BusFreaks zerstreuen meine Bedenken. Und so heize ich den nun mit Kühlwasser gefüllten und entlüfteten Motor mit der ebenfalls entlüfteten Diesel-Wasserstandheizung ordentlich vor und lasse den OM364A mal ein bisschen laufen. Meine Webseite ist nicht leistungsfähig genug, deswegen habe ich das Video vom Ventiltrieb mal auf Youtube gestellt.
Ich sehe aber immer noch keinen Diesel austreten und kann mir auch nicht vorstellen, wo da am Zylinderkopf irgendwo Diesel austreten könnte. Selbst wenn die Düsenstöcke und Einspritzleitungen undicht wären, würde der ganze Diesel ja ins Motoröl laufen und letztlich die Ölwanne zum Überlaufen bringen. Genau davor habe ich auch etwas Schiss, weil derart verdünntes Motoröl natürlich so gut wie überhaupt nicht mehr schmiert und kapitale Motorschäden zur Folge hat. Deswegen würde ich auch nur bei Verdacht auf Diesel im Motoröl sofort einen Ölwechsel machen und natürlich die Ursache beseitigen.
Prüfung der Innenseite der Zylinderkopfhaube
Hmm, aber noch habe ich keine Ursache für die Dieselundichtigkeit. Die von Jürgen empfohlene Prüfung der Innenseite der Zylinderkopfhaube zeigt auch überhaupt keine Auffälligkeiten. Wenn dort Diesel irgendwo spritzen würde, wäre an den betreffenden Stellen der Motorölfilm unterbrochen.
Lösung des Problems
Da ich ein bisschen ratlos bin, schickt mich mein Mentor Jürgen noch mal in die Spur, ob nicht Diesel von außen irgendwie auf den Motor spritzt. Suche also die ganze Peripherie rund um den Zylinderkopf ab und finde tatsächlich eine lose Überwurfmutter an der Dieselleitung für die Flammstartkerze.
Deswegen ist Diesel beim Kaltstart mit aktiver Flammstartanlage ausgelaufen, beim Warmstart aber nicht. Normalerweise starte ich ja immer warm, sodass der Diesel nur in dieser einen speziellen Sondersituation zum Entlüften der Kühlanlage ausgelaufen ist. Oder eben, wenn die Webasto Standheizung wieder mal rumzickt.
Der Diesel kam also nicht von innen, sondern von außen und ist dann um die Zylinderkopfhaube herumgelaufen, weil der Bus bei mir einerseits ein bisschen nach rechts, andererseits nach hinten schräg am Hang steht. Also Problem gelöst, wenn auch mit etwas viel Aufwand.
Dichtigkeit Zylinderkopfhaube sicherstellen
Aber generell macht es Sinn, sich ein bisschen mit der Dichtigkeit des Motors zu befassen. Also ich mache nach jedem Ventile einstellen oder eben nach solchen Aktionen eine neue Dichtung unter die Zylinderkopfhaube.
Wichtig ist auch, die dichtungsrelevanten Schrauben mit dem richtigen Drehmoment anzuziehen. Gerade hier war ich wieder überrascht, wie viel doch 25 Newtonmeter sind. Zumindest im Vergleich zu meinem ängstlichen handfest.
Okay, es gibt natürlich auch Schrauben und Muttern die man mal ohne Drehmomentschlüssel anziehen kann oder muss. Aber egal, wie verquert der aufgeflexte Schlüssel aussieht: Die Dieselundichtigkeit ist beseitigt. Und darauf kommt es an.
Infos und Werbung
- Für den Ölabscheider braucht man einen gekröpften, flachen Maulschlüssel SW 50 (Mercedes Sonderwerkzeug A3645890001000)
- Hab mir den BGS-Lüfter-Nabenschlüssel SW 46 auf SW 50 aufgeflext (BGS 1683, 46 mm)*: Klick
- Motorölwechsel mache ich planmäßig mit Addinol Super Truck MD 1049 10W-40 (mit Freigabe Mercedes 228.5)*: Klick
- Wichtig ist eine neue Dichtung für die Zylinderkopfhaube (Mercedes A3640160121 = Elring 768.839)*: Klick
- Die Sechskantschrauben an der Zylinderkopfhaube bekommen 25 Nm (WHB, D181)
- Der Drehmomentadapter passt zwar wegen der Höhe nicht überall hin, aber vermittelt mir immer ein Gefühl für das richtige Drehmoment (BGS 70210): Klick
- Ansonsten immer dran denken: Nach fest kommt lose.















