Geteilte Welt im Hafen Genua
Im Hafen Genua treffen in der Fahrzeugkolonne am GNV-Pier die Welten der Tunesier und der Tunesienfahrer aufeinander.
Stellplatz am Comer See
Die Nacht am Comer See ist schnell vorbei. Bin ja gestern erst Mitternacht vom San Bernardino runtergekommen, aber trotzdem dreiviertel sechs wach. Viertel vor sechs. 05:45 Uhr. Je nachdem, aus welchem Teil der Welt man kommt.
Der Stellplatz ist nichts, was man empfehlen könnte. Aber da halte ich mich ja eh immer ein bisschen zurück. Soll mal jeder schön seine eigenen Erfahrungen machen. Ich jedenfalls hab vom Comer See genau gar nichts. Alles noch dunkel. Kalt sowieso. Heize also den Bus vor, mache eine Abfahrtskontrolle und bestücke den Teetassenhalter.
Autobahnzufahrt zum Hafen Genua
Vom geheimen Stellplatz am Comer See muss ich ganz verrückt wieder den Berg hoch und wieder runter und wieder hoch und wieder durch einen Kreis, bevor ich wieder auf der Autobahn bin.
Nee, das lohnt sich echt nicht, nur für einen Zwischenstopp runter zum Comer See zu gurken. Will ohnehin zur Fähre Genua und hier keinen Tourismus machen. Also Kreditkarte zücken und ab auf die Autobahn. Das italienische Mautsystem ist entspannt. Zumindest meistens.
Wanderwegautobahn über den Apennin
Passiere im Morgennebel Mailand, quere der Po und sehe schon 07:45 Uhr den Apennin. Viel zu zeitig.
Die findigen Italiener haben hier scheinbar einen alten Wanderweg zur Autobahn umgebaut. Zumindest in Südrichtung. Die beiden Fahrspuren von Genua nach Norden hingegen wurden quer durch den Berg geschlagen und bestehen fast nur aus Brücken und Tunneln. Die A7 Richtung Genua ist jedenfalls sehr hübsch, aber auch kurvig, eng und langsam.
Vorzeitige Ankunft im Hafen Genua
Bin trotzdem schon nach zweieinhalb Stunden in Genua. Soll ich noch irgendwas anschauen? Nee, ich bin nicht für Tourismus in Genua, ich muss arbeiten.
Vor allem endlich mal den Bus aufräumen. Die Autobahnkurven im Apennin haben das Chaos nicht besser gemacht.
So kann ich den Bus schon eher mal vorzeigen.
Sitze also auf meinem provisorischen, aber dennoch erstaunlich bequemen Bierkastensofa und mache Steuerkram. Kann man ja heutzutage alles online erledigen. Bin dennoch entsprechend lange beschäftigt und muss mich erstmal von meiner anstrengenden Tätigkeit erholen.
Check-in von GNV im Hafen Genua
Setze erst um 13:00 Uhr den Fuß vor die Tür. Und das erste, was ich sehe, sind eine Handvoll Nägel auf dem Parkplatz. Lese die besser mal auf, nicht dass jemand wie ich einen Reifen einbüßt.
Der Check-In von GNV ist schon brechend voll, aber so ist wenigstens für Unterhaltung gesorgt. Am Schalter muss ich 15,60 € bezahlen und einen kleinen Zettel ausfüllen, bevor ich die Bordkarte für die Fähre nach Tunis kriege.
Ist bei GNV im Hafen Genua wichtig, einen eigenen Stift dabei zu haben.
14:00 Uhr öffnet der Grenzkontrollschalter im Hafen Genua. Da gibt es noch einen Stempel in den Pass und damit ist der Check-In erledigt. Wobei, haben die überhaupt einen Stempel gemacht oder nur den Pass eingescannt? Ach egal, ich bin durch.
Die zwei Fährgruppen
Um 14:23 Uhr ist der GNV-Parkplatz schon gut gefüllt. Klar, planmäßig sollte die Fähre ja 15 Uhr ablegen. Allerdings hat GNV eine Verspätung um 3 Stunden angekündigt. Davon gibt es übrigens auf YouTube auch ein kurzes Live-Video.
Hab also noch viel zu viel Zeit und schleiche auf der Suche nach coolen Autos über den Platz. Besonderes begeistern mich die fast auf dem Boden schleifenden, völlig überladenen Autos der Tunesier im Hafen von Genua. Ich frage mich wirklich, ob die Heimaturlauber so von Frankreich, Belgien oder Deutschland nach Genua kommen oder ob die mit drei Autos anreisen und dann alles in eins umladen. Gibt jedenfalls eine Menge kreativer, aber doch recht temporärer Transportlösungen. Bei manchen Sachen kann man sogar noch was lernen.
Die andere Fraktion fährt Expeditionsmobile. Die „richtigen“ LKWs sind schon beeindruckend, wobei es bei den Details dann durchaus Abstriche gibt. Der Mercedes 1222 von EineWeltReisen zum Beispiel hat eine ganz komische Aufbaulagerung mit drei Drehlagern im Rahmen und zwei seitlichen Abstützungen. Frage mich echt, wozu das gut sein soll. Der Aufbau muss jedenfalls schwanken wie verrückt, denn der Faltenbalg ist schon abgerissen. Und scheinbar hat man es aufgegeben, den wieder festzutackern.
Cool ist der Iveco Daily 4×4 bzw. dessen Bereifung. Das dürfte nicht einfach (gewesen?) sein, diese Reifen eingetragen zu kriegen. Nur die Hängerkupplung kastriert den schönen Wagen ein bisschen.
Am Ende der Schlange stehen gleich drei Steyr 12M18, die alle beeindruckend aufgebaut sind. Für die Wüste sind die ja genial, aber für Europa viel zu auffällig. Wobei der Shelter unter der Plane schon ein Lösungsansatz ist. Auch sonst erkennt man an den Details den Profi. Dieser 12M18 jedenfalls dürfte mit Abstand das geländegängigste Fahrzeug im ganzen Hafen Genua sein.
Ist krass, wie geteilt die Welt im Hafen von Genua ist. Da gibt es eine ganz scharfe Grenze zwischen den heimreisenden Tunesiern in allen möglichen Normalfahrzeugen und den Tunesienfahrern mit ihren hochgerüsteten Allradmobilen. Naja, und dann steht da auch noch ein einzelnes, normales Wohnmobil. Mal sehen, ob das überhaupt in der Wüste mitspielen darf.
Beladen der GNV Auriga
17:00 Uhr beginnt das Einschiffen auf die GNV Auriga.
Stehe 17:25 Uhr nach einer professionellen Einweisung in der letzten Ecke vom Deck 3A. Die universelle Kommunikation der Schiffsbesatzung zeigt dann doch, dass die Unterschiede der verschiedenen Fraktionen auf der Fähre gar nicht so groß sind. Beim Rangieren sind alle gleich.
Auf der Fähre von Genua nach Tunis trennt sich dann aber wieder die Spreu vom Weizen.
Infos
- Como – Mailand – Tortona – Hafen Genua – Fähre nach Tunis | 205 km | 1.121 km
- Hier gibt es nochmal meinen Livebericht aus dem Hafen Genua: YouTube





















Hallo Tom,
ich hatte einen KAT I 4×4 und einem 12M18 – da liegen schon Welten dazwischen. Im KAT in den Dünen 3. Gang und Mittelsperre, den Rest macht der Wandler. Super entspannt! Schnelle Pisten jucken den KAT gar nicht, er bügelt einfach alles weg. Da sind mir beim Steyr mehrfach Stoßdämpferhalter abgerissen (bis ich sie massiv verstärkt habe).
Der Steyr ist auf der Anreise in Sachen Komfort und Trinkfreudigkeit sicher im Vorteil. Da merkt man halt, das es eigentlich ein ziviler LKW ist.
Viel Spaß in Tunesien!
Ich hatte ja glücklicherweise eingeschränkt „das geländegängigste Fahrzeug im ganzen Hafen Genua“, und ein KAT stand nicht in der Schlange. Gefahren bin ich beide noch nicht, doch ein Steyr hatte KATKILLER hinten dran stehen…
Wollte auch nur meine Erfahrung kund tun :), weil ich schon mit beiden in Tunesien unterwegs war,. KATKILLER ist bestimmt Ironie.
Klar, KATKILLER ist ein Insider, vielleicht hat er mal einen umgeschubst. Vielen Dank jedenfalls für deine Einschätzung. Würde ich zwar auch so sehen, aber Erfahrung ist eben Erfahrung. Das ist durch nichts zu ersetzen.
Würde auch gerne mal nen KAT oder einen richtigen Steyr fahren. Könnte die Autos allerdings nicht im Ansatz an ihre Grenzen bringen. Außer das Festfahren, das bekomme ich hin. Notfalls noch Umschmeißen…
Was macht ihr mit diesen Autos? Als Serviceauto Paris-Dakar begleiten?
Keine Frage, diese Fahrzeuge faszinieren mich, allein die Technik.
Als 08/15-Mensch bin ich natürlich weit von solchen Ikonen entfern. Trotzdem mag ich meinen kleinen 711 sehr gerne. Und ja, man kann damit um die Welt fahren. Man sollte halt etwas vorsichtig mit den Strecken sein und seine Grenzen kennen. Tom ist mit seinem Exemplar schon gut an die Grenzen gegangen, muss nicht immer dicker Allrad sein.
In der Wüste sind die Allrad-LKWs schon geil. Aber die Einheimischen fahren was ganz anderes.
Mit dem KAT Bergung für verschiedene Amateurrallyes, mit dem Steyr Filmteams gefahren.
Für „normale“ Touren wäre mir der KAT zu trinkfreudig. Da ist ein 711 sicher besser geeignet.
Alles klar, das ist ja mal cool.
Am schönsten beim Kat finde ich die Panoramasitzbank in der ersten Reihe. Aber ja, der Verbrauch ist schon jenseits von Gut und Böse.
„Meinen kleinen 711″
Ist ja süß!
Ich/wir lieben unseren klitzekleinen 611“ 🙂
Für mich war früher immer ein „FETTER“ TATRA 6×6 das Maß aller Dinge.
Heute bin ich Genügsamer, was das angeht, da ist mir ein UAZ Buchanka und unsere Wanne sympathischer, als so ein Mörder LKW Monster. Aber technisch gesehen faszinieren mich die FETTEN Teile schon noch.
Hauptsache wir sind zufrieden mit dem was wir haben!
Genau so sehe ich das auch. Das sind wirklich fette Teile. Aber wenigstens fahren wir recht robuste und brauchbare Kleinlaster – und sind zufrieden!
T2LN1 mit OM364 hat LKW-Gene. Der etwas andere Transporter…
Ich will jetzt nicht rumnölen oder angeben, aber fette Tatras fangen erst ab 4 Achsen an. Und die haben auch ihre Schwächen. Also zumindest die, die ich kenne (813).
Ich bin mir noch nicht einmal richtig sicher, ob in der Wüste nicht ein kleiner Suzuki Jimny nicht besser und geländegängiger wäre als ein Tatra. Aber klar, der hat keine Einbauküche dabei.
Mein Bruder hatte zwei SJ413. Trotz fehlender Sperren ging da erstaunlich viel mit, wir hatten jede Menge Spaß.
Auf der Straße musste man schon etwas vorsichtig sein, einen habe ich auf einer Autobahnauffahrt fast umgeschmissen, wollte es unbedingt noch vor nen Sattelschlepper schaffen, jung und blöd halt…
Fühlte sich ein wenig nach Cola-Dose mit Hauptrahmen und Starrachsen an. Und passte überall durch, witziges Kleinteil ohne jegliche passive Sicherheit. Bergab mit Rückenwind standen manchmal aberwitzige 155 auf der Uhr und es fühle sich auch so an. Mein W124 hat dann allerdings nur 120 angezeigt. Während im Suzuki alles dröhnte, flatterte und man bei leicht unebener Straße mit dem Geradeauslauf kämpfte, kämpfte man im Mercedes gegen den Schlaf. Natürlich ist es Blödsinn, mit einem SJ Autobahn zu fahren. Mit nem 124 fährt man ja auch nicht in die Kiesgrube. Oder zumindest nicht mehr raus.
Auf alle Fälle kann man mit diesen winzigen Suzukis unheimlich viel Spaß haben…
Das ist so, meine Frau hat drei Jahre in Ruanda gearbeitet, und ist dort mit so einem kleinen Suzuki unterwegs gewesen. Auch Kollegen von Ihr haben sich den gerne ausgeliehen. Der „Kleine“ hatte sich ihr ( Automobiles- ) Herz erobert!
🙂