Tunesien: Schlamm nach Bulla Regia
Die antike Ausgrabungsstätte Bulla Regia im mittleren Westen von Tunesien hat trotz einer Besonderheit kaum Besucher.
Schlammpiste als abkürzende Verlängerung
Südlich der Korkeichenwälder des Nationalparks El Kala wird die Gegend landwirtschaftlich und die Straße ist umsäumt von Eukalyptusbäumen sowie Wiesen mit fettem, tiefgrünem Gras. Statt Karte aktiviere ich mein tschechisches Spezialnavi, allerdings mit Priorität auf der kürzesten Entfernung. Da sieht man einfach mehr vom Land. Und so schickt mich mein Handy auch prompt auf einen hübschen Feldweg. Klar, ist eine Abkürzung. Und klar nehme ich die Herausforderung an.
Nur wird die schlammige Abkürzung schon bald ziemlich unabkürzig. Das erste Schlammloch geht noch, aber am zweiten muss ich entweder rückwärts alles wieder zurück oder mitten durch. Entscheide mich nach kurzer Bedenkzeit fürs Durchfahren. Fotos kann ich nicht machen, weil ringsrum ja Schlamm ist. Aber es gibt von der Aktion ein Dashcam-Video auf YouTube.
Jedenfalls schafft es der Bus. Wäre dumm gewesen, in der Schlammsenke hängen zu bleiben. Zurückfahren ist auch immer blöd, erst recht rückwärts. Aber nach 40.000 km habe ich ein ganz gutes Gefühl für die Falken Wildpeak AT3WA Reifen auf dem Wohnmobil und weiß, dass die wegen 20 cm Schlamm nicht gleich aufgeben. Wahrscheinlich trägt dazu auch die seitliche Profilierung an den Reifen bei, die ich sonst von keinem anderen Reifen kenne.
Ausgrabungsstätte Bulla Regia
Wegen der Abkürzung komme ich aber zur Ausgrabungsstätte Bulla Regia eine Viertelstunde zu spät. Im Ramadan schließt nämlich alles um 15:00 Uhr. Versuche den Eintrittskartenverkäufer mit einem netten Lächeln zu beeindrucken, aber da ist nichts zu machen. Flitze also schnell ans Tor und versuche, den Wärter mit einem kleinen Präsent zu korrumpieren und mir wenigstens 10 Minuten Zeit zu gewähren. Aber da ist auch nichts zu machen. Zu ist zu. Kann Bulla Regia also nur durch den Zaun fotografieren.
Versuche mein Glück auch noch mal von der Seite. Dort ist aber auch gleich ein Wärter zur Stelle. Der ist aber so verdutzt und von meiner Nationalität so angetan, dass er mich ein kleines bisschen herumführt. Allerdings bin ich von Hitler nicht so angetan wie er und so wird das ein kurzes Vergnügen.
Umkreise also weiter das ziemlich große Gelände und finde einen Trampelpfad der Einheimischen über die Ausgrabungsstätte. Doch die Ruinen sind kameraüberwacht und ich denke, dass die mich jetzt wirklich auf dem Kieker haben.
Doch von hinten sieht man Bulla Regia ganz gut.
Viel ist von Bulla Regia sowieso nicht übrig geblieben. Es sind aber weniger die Thermen, die mich reizen, sondern die ausgebauten Untergeschosse, in denen sich die Römer vor der Sommerhitze gedrückt haben. Und die sehe ich natürlich nicht mit dem Fernglas.
Amphitheater von Bulla Regia
Nur das Amphitheater befindet sich außerhalb der offiziellen Ausgrabungsstätte. Aber das ist kein Wunder, denn die ganze Anlage ist völlig verfallen und kaum noch erkennbar.
Mehr als die Grundform und ein paar Ränge sind vom Amphitheater Bulla Regia leider nicht übrig.
Aber Tunesien hat so viele römische Ausgrabungsstätten, dass die paar Ruinen von Bulla Regia etwas achtlos behandelt werden. Glaube auch nicht, dass sich in diese abgelegene Gegend überhaupt viele Touristen verirren.
Fürchte schon, dass die Tunesier mir den Bus auf dem Parkplatz einschließen. Hier gibt es zwar immer irgendwo irgendeinen Wärter, allerdings bin ich mir da im Ramadan gar nicht mehr so sicher.
Bleibe also nicht hier, sondern fahre weiter gen Süden. Sogar mal vorbildlich, denn in der 50er Zone fuchteln tatsächlich zwei Polizisten mit einer Laserpistole herum. Komme so unbehelligt bis nach Maktar, wo das römische Mactaris ausgegraben wurde.












Mir wird übel bei dem Gedanken, als Deutscher noch immer automatisch auf der halben Welt für einen Nazi gehalten zu werden.
Furchtbar, was das Volk der „Dichter und Denker“ alles angerichtet hat. Und welchen Eindruck wir hinterlassen haben.
Nee, das Problem ist genau umgekehrt. Es geht ums arabische Schulterklopfen für das, was wir angerichtet haben. Das mag ich nicht.