Tunesien: Markttag auf der Autobahn
Fahrt von Maktar durch die Marktstände von El Fahs nach Tunis zum Flughafen, wo man auch mit dem Wohnmobil ganz gut parken kann.
Flucht aus Maktar
Musste ja wegen Terrorgefahr neben der Polizeistation Maktar übernachten. Aber auf Frühstück in dieser Drecksstraße habe ich nun überhaupt keinen Bock. Stehe also 6 Uhr auf und mache direkt die Dieselheizung an. Wenigstens wurde mir nicht schon wieder was geklaut.
Vor Sonnenaufgang sind die Tunesier im Ramadan noch mit Essen beschäftigt. Da treiben sich nur die ganz Unermüdlichen auf den Straßen herum.
Ist schön, so einsam und allein mit dem Bus in den Sonnenaufgang hinein zu fahren.
Bergland Ain Eddisa
Aber schon 06:30 Uhr zweige ich in Ain Eddisa rechts ab und probiere mal was Neues. Stelle mich direkt an eine Nebenstraße, ganz offensichtlich, frei einzusehen und ohne mich zu verstecken.
Mache erst jetzt meinen verspäteten Morgenspaziergang. Der nächste Hügel hat immerhin 1000 m und bietet eine schöne Rundsicht. 06:50 Uhr steht die Sonne schon über dem Djebel Ballouta und ich hoffe auf ein bisschen mehr Wärme. Sind immerhin nur 3°C.
Das sanft hügelige Bergland bei Ain Eddisa östlich von Maktar gefällt mir wirklich.
Sehe von oben gut, wer sich wie für den Bus an der Straße interessiert. Natürlich gucken die Leute, aber hier sind nur Sammeltaxis und ein paar Pickups unterwegs. Selbst die Bauern der Umgebung sitzen an ihren Häusern und nehmen keine Notiz von mir. Ich hingegen muss zugeben, dass ich mich sehr dafür interessiere, was die Tunesier alle so treiben. In der offenen Landschaft kann man mit dem Fernglas ja fast in die Kochtöpfe gucken. Die Männer jedenfalls sitzen auf den Bänken in der Sonne vor ihren Hütten, während die Frauen arbeiten müssen.
Allerdings wird mir langsam kalt und ich stapfe durch den schweren, lehmigen Boden zurück zum Bus.
So ein Landstraßenstellplatz ist auf alle Fälle eine neue Option. In Marokko hätte ich jetzt 20 Kinder um den Bus. Hier in Tunesien stören nicht mal streunende Hunde. Kann also noch ein bisschen bleiben und Frühstück machen. Koche erstmal solarelektrisch meinen Tee.
Dann diktiere ich die Chronik, lade ein Video bei Youtube hoch, schreibe einen Beitrag, beschäftige mich mit der Karte und überlege, was ich heute in Tunis mache. Muss nämlich erst um Mitternacht am Flughafen Tunis sein. Tja, immer dieser Stress. Der Bauer hingegen sitzt auf seinem Esel, trabt runter zur Wasserstelle und kommt nach anderthalb Stunden mit frischem Wasser wieder zurück. Ist das nun angenehmer?
Jedenfalls leide ich auch nicht gerade Qualen und bin bis 15 Uhr gut beschäftigt. Da hat sich der ungewöhnliche Stellplatz direkt an der Straße doch bewährt.
Zypressenwälder bis Siliana
Die Strecke zwischen Maktar und Siliana führt mitten durch seltene numidische Zypressenwälder.
Gibt im Bergland westlich Siliana auch ein paar Aleppo-Kiefern. Das alles weiß ich natürlich nicht aus dem Kopf, sondern ich halte an und lasse mir die Pflanzen von der KI bestimmen. Setze mich auch gerne irgendwo in die Sonne und nutze die Umkreissuche der Wikipedia.
Bin ja alleine unterwegs, da kann ich machen, was ich will und mich interessieren, wofür ich will. Wobei es mir dann schon schwer fällt, den so schön rollenden 711er nur für ein Foto anzuhalten. Hab mir deswegen extra eine Dashcam gekauft, die auf Sprachkommando Fotos macht. Mein Traum bleibt aber eine Beifahrerin, die mir unterwegs gebildete Vorträge vorliest. Gern auch umgekehrt, sie fährt und ich recherchiere die Attraktionen der Umgebung. Aber wahrscheinlich würden wir dann nur 10 km pro Tag schaffen.
Über Bargou zum Markt El Fahs
Und so fahre ich auf der vierspurigen Autobahn P4 dahin und mache mir so meine Gedanken.
Wobei die P4 eigentlich keine richtige Autobahn ist, sondern mehr so eine autobahnähnliche Verbindungsstraße mit Kreisverkehren und Ortsdurchfahrten wie hier in Bargou.
In El Fahs ist heute Markttag, was sich schon lange vorher im Straßenbild bemerkbar macht.
In El Fahs selbst drückt sich der ganze Verkehr zwischen den Marktständen durch. Nur ist von den vier Spuren der P4 hier nicht mehr viel übrig.
Ist aber auch interessant, weil man da in Ruhe das ganze Angebot studieren kann, so wie hier beim Dromedarfleischer von El Fahs.
Und ich kann meine Fotosammlung von uralten Peugeot 404 erweitern.
Flughafen Tunis Karthago
Der erste Gruß von Tunis ist der Aqueduc Uthina an der RN 3 bei Mohammedia. Hier stehen viele Tunesier und machen Fotos.
In Tunis wird der Verkehr nicht besser, aber auch nicht schlechter. Ich muss zum Flughafen, und der ist überall gut ausgeschildert.
Am Flughafen ist alles recht klein und überschaubar. Komme am späten Nachmittag sogar bis direkt vor die Ankunftshalle. Parken kann ich dort allerdings nicht.
Allerdings bietet der Flughafen Tunis ums Eck ausreichende Parkflächen auch für LKWs. Kann mir hier noch ein wenig die Zeit vertreiben und den Einbau des einfliegenden Ersatzteils vorbereiten.
Die Nacht allerdings verbringe ich nicht auf dem Flughafenparkplatz Tunis, sondern am Strand. Ganz in der Nähe von Sidi Bou Said, der blau-weißen Künstlerkolonie von Tunis.
Infos
- Maktar – Ain Eddisa – Siliana – Bargou – El Fahs – Tunis Airport – Tunis Gammarth | Tunesien | 205 km | 2.501 km























