Tunesien: Regen in der blau-weißen Künstlerkolonie Sidi Bou Saïd
Die Künstlerkolonie Sidi Bou Saïd mit ihren weißen Häusern hoch über Tunis ist wirklich hübsch und bei Regen auch nicht überlaufen.
Strand Tunis Gammarth
Statt am Flughafen Tunis zu parken, bin ich gestern nacht noch an den Strand gefahren. War allerdings für einen Stellplatz auf dem Strand zu feige. Hab mich stattdessen auf den Parkplatz davor gestellt. Aber gut, der Bus hat noch die Zwillingsbereifung drauf. Da muss ich den nicht wie in der ersten tunesischen Nacht nach der Einreise schon wieder versenken.
Mache auch früh keine langen Experimente, sondern starte direkt nach Sidi Bou Saïd. Tee kann ich auch unterwegs trinken.
Das Fernglas brauche ich, um die Stelzenläufer am Ariana-See zu beobachten. Gibt auch ein paar Flamingos, aber die sind für ein Handyfoto zu weit weg
Wenn ich schon mal in Tunis bin, kann ich ja ein bisschen europäisch einkaufen. Gibt in Gammarth extra so eine Mall für Reiche mit Einlasskontrolle und so. Kann man sich aber schenken. Das, was ich brauche, kriege ich auch im Straßenrand.
Künstlerkolonie Sidi Bou Saïd
Die Reichen okkupieren auch den Hügel vor Sidi Bou Saïd, der mit Schranke und Wachmann gesichert ist. Mein Plan, direkt nach Sidi Bou Saïd zu fahren, wird mir also vom Wachpersonal negativ beschieden. Aber für einen Dinar pro Stunde kann man dort schon gut parken.
Die Aussicht von Sidi Bou Saïd auf Tunis ist toll, nur das Wetter ist kacke.
Die Fußwanderung nach Sidi Bou Saïd zeigt, dass ich mit dem Bus hier sowieso fehl am Platze gewesen wäre. So eng sahen die Gassen auf der Karte gar nicht aus.
Sidi Bou Saïd ist (oder war) sowas wie der Weiße Hirsch von Tunis und bei Künstlern von nah und fern außerordentlich beliebt. Besondere Merkmale sind die kunstvollen blauen Tore an den weißen Häusern sowie die Lage über dem Meer. Wirklich alles sehr hübsch.
Nur ganz selten sind die Tore auch mal gelb.
Weiße Häuser, blauer Himmel, blaues Meer – das gibt bei Sonne schöne Aussichten. Das Regenwetter hat aber den Vorteil, dass heute keine Touristen unterwegs sind.
Wobei in den Gassen von Sidi Bou Saïd natürlich einzelne, unerschrockene Exemplare herumlaufen. Und am Ortlieb-Rucksack ist auch sofort die Nationalität zu erkennen.
Ohne Regenwetter wären die weiß-blauen Gassen von Sidi Bou Saïd wahrscheinlich dicht bevölkert.
So richtig blau ist heute jedenfalls weder der Himmel noch das Meer.
Kein Wunder, dass auch die berühmten Cafés wie hier das Sidi Chabaane mit Blick auf Port Sidi Bou Saïd verwaist sind.
Hier unten am Hafen hab ich letztes Jahr mit den Jungs gestanden und bin von da aus mit Arm und Bein in Gips zur Fähre nach Genua gefahren.
Meinen Jüngster hab ich damals die Treppe nach Sidi Bou Saïd hochgeschickt, um für mich ein paar Fotos zu machen. Ein Jahr später kann ich wieder selber hochlaufen und sehe, dass die Treppe ziemlich verfallen ist. Das hat er mir gar nicht erzählt.
Oben ist der Zugang nach Sidi Bou Saïd sogar zugemauert. Das würde ich nun niemandem empfehlen, aber so ein Mäuerchen ist natürlich prinzipiell kein Problem für ambitionierte Städtereisende. Also ich jedenfalls gehe wegen sowas nicht zurück.
Wahrscheinlich hatten schon die alten Karthager eine bessere Regenwasserableitung. Heute fließt das Wasser von Sidi Bou Saïd oberirdisch zu Tal.
Trotzdem ist Sidi Bou Saïd einen Spaziergang wert. Eigentlich sogar erst recht bei Regen, denn die doch recht touristischen Gassen sind absolut leer. Auch die Händler sind zurückhaltend. Und so ist es insgesamt recht nett in Sidi Bou Saïd.
Nur der Regen und vor allem der fehlende blaue Himmel trüben die Freude ein bisschen.
Karthago en passant
Nach dem Besuch von Sidi Bou Saïd ist es schon relativ spät. Karthago kann man da nur noch von außen besichtigen. Dazu darf ich nicht am Präsidentenpalast vorbeifahren, sondern muss an der Straßensperre wenden. Mit Kamera oder Handy würde ich in einer solchen Situation nicht unbedingt herumfuchteln, aber da ist ja noch die Dashcam, die Fotos per Sprachbefehl macht.
Auf dem Parkplatz am Amphitheater Karthago quatsche ich mit einem nicht minder martialischen Allrad-Transit-Fahrer, der voller Schrecken vom Tembaine berichtet. Angeblich wäre dieses Jahr noch kein 4×4-Tourist über den Dünengürtel gekommen. Das kann ich mir nicht vorstellen, aber wenn ich versage, habe ich nun eine Ausrede. So wie hier am Amphitheater Karthago, das leider geschlossen hat. Tatsächlich bin ich froh drüber, dass ich für die paar Sitzreihen nicht auch noch Eintritt bezahlen muss.
Das ist an den Antoninus-Pius-Thermen Karthago nicht anders.
Ich war schon drin und will die Ruinen von Karthago auch nicht schlecht reden, aber zu sehen gibt es da nicht viel. Beziehungsweise das, was es zu sehen gibt, sieht man auch vom Zaun aus.
Auch am Marinehafen Karthago haben die Römer bei der Zerstörung Karthagos ganze Arbeit geleistet. Bis auf ein rundes Wasserbecken ist da nichts mehr zu sehen. Und doch hat auf der flachen Insel in der Mitte des Kriegshafens das Hauptquartier des Admirals gestanden. Und außen herum lagen 220 überdachte Trockendocks für die Galeeren der Karthager.
Übernachten in Tunis ist mir ein bisschen zu anstrengend. Fahre also auf der Autobahn mit sehr überschaubaren Mautgebühren noch ein Stück nach Süden und stelle das Wohnmobil in Hammamet direkt an den Strand.
Infos
- Der Marker in der Karte zeigt Sidi Bou Saïd
- Allerdings habe ich keinen Plan, wie ich in der OpenStreetMaps die arabischen Ortsnamen lateinisieren kann
- Wenn ich da eine Lösung hätte, würde ich das Tool auch wieder öfter nutzen.


























Fertige Karten mit lateinischen Namen nutzen
Wenn Sie die Karte nicht selbst programmieren, sondern nur anschauen möchten, gibt es fertige OSM-Ansichten:
• OpenStreetMap am Mapnik-Server (Standard): Zeigt in der Regel den lokalen Namen (name). In arabischen Ländern ist dieser primär auf Arabisch.
• OSM de (Deutsche Karte): Bevorzugt deutsche Bezeichnungen (name:de) und greift bei Fehlen oft auf internationale/lateinische Namen zurück.
• Mapbox / MapTiler / Thunderforest: Diese kommerziellen OSM-Kartenanbieter bieten in ihren Editoren „Sprach-Umschalter“ an, mit denen Sie die gesamte Karte mit einem Klick auf Lateinisch/Englisch umstellen können.
schön und interessant zu lesn, wie alle Deine Berichte.
Danke, Ingo