Diebstahl und Sicherung von Ersatzreifen auf dem Dach
Bericht vom Diebstahl eines Ersatzreifens, der Effizienz der tunesischen Nationalgarde und der Sicherung von Reifen auf dem Dach.
Komisches Maktar
In der römischen Ausgrabungsstätte Mactaris sind Trajansbogen und Thermen schnell abgehakt. Der Rest ist ja Wiese. Überlege also, ob ich hinten einfach über die Mauer klettere und direkt zum Bus gehe. Aber stattdessen mache ich um 10:19 Uhr nur ein Foto, denn da hängen schon wieder ein paar Typen am Bus ab.
Gehe dennoch zum vorderen Ausgang und außenrum wieder zurück, auch hier wieder gefolgt von einer Gruppe Jugendlicher. Die sind noch recht unaufdringlich, aber so langsam nervt es. Muss also mal meine unangenehme Seite zeigen und deutlich machen, was ich zulasse und was nicht. Und tatsächlich fragen die mich nun direkt nach Geld, nehmen dieses Ansinnen aber selbst nicht besonders ernst und verschwinden von alleine. Klar, versuchen kann man es ja mal, auch wenn das für Tunesien eher untypisch ist. Irgendwas ist hier in Maktar komisch.
Reifendiebstahl vom Dach
Am Bus sehe ich, dass ein Ersatzreifen vom Dach fehlt. Da hat sich doch tatsächlich jemand vergriffen.
Naja, das Holz auf dem Heckträger ist ja eine schöne Aufstiegshilfe. Und die paar Spannbänder sind schnell durchgeschnitten.
Okay, den Reifen muss ich wohl abschreiben. Aber mich interessiert, was passiert, wenn ich mal in der Schule nachfrage. Dummerweise habe ich die Dashcam nicht laufen lassen, aber vielleicht hat ja die Schule eine Videoüberwachung. Dort sind alle sofort sehr engagiert und rufen die Nationalgarde.
Und ich habe ja mein Foto von den Typen am Bus. Genau, das oben schon gezeigte Foto von 10:19 Uhr. Dieses unscharfe Foto überspiele ich per Bluetooth auf das Handy eines Nationalgardisten und dann beginnen die Ermittlungen. Schon nach einer halben Stunde kommt er wieder und hat meinen Reifen sowie einen heulenden Jungen und seinen verdrießlichen Vater im Auto.
Bürokratie auf der Polizeistation
Das war schon mal keine schlechte Ermittlungsarbeit. Aber jetzt beginnt der offizielle Teil. Wir fahren also gemeinsam zur Station der Nationalgarde in Maktar.
Dort wird der Junge erstmal an einen Tisch gekettet.
Und dann müssen Formulare gefüllt werden. Ab und zu schnappt sich einer den Jungen für ein Verhör und schreit ihn an. Ich bremse die Leute und sage, dass er noch jung ist, sicherlich seine Lektion gelernt hat und dass ich ihm vergebe.
Schlage auch vor, dass sie den offiziellen Teil bleiben lassen und bringe meinen Biervorrat ins Spiel. Aber nichts da. Die Nationalgarde will die Sache nicht einfach so auf sich sitzen lassen. Am Ende unterschreibe ich drei lange arabische Formulare. Die haben sogar extra eine Übersetzerin hergebracht, die ganz passabel deutsch spricht. Die Frau ist in Berlin geboren und wurde mit sieben Jahren von ihren Eltern zurück nach Tunesien geschickt, damit sie in Deutschland nicht völlig verlottert. Nun ist sie 50 und spricht immer noch ein deutsches Deutsch, allerdings bruchstückhaft. Wir unterhalten uns jedenfalls angenehm und sie kann mir auch das ein oder andere erklären. Aber die Schriftstücke übersetzt sie mir nicht, das macht Google.
Um 14:33 Uhr und damit dreieinhalb Stunden nach dem Ermittlungserfolg kriege ich dann auch meinen Reifen wieder und darf die Stadt verlassen. Die Nationalgarde will nichts anbrennen lassen und stellt mir einen Geleitschutz. Aber vielleicht wollen sie auch nur, dass ich das Bier nicht offiziell in der Station übergebe, sondern den beiden erfolgreichen Ermittlern direkt am Wagen. Aber das ist natürlich Spekulation.
Meine Lektion nach dem Diebstahl
Letztlich bin ich an dem Diebstahl des Reifens selber schuld. Was muss ich mich auch vor eine Schule stellen. Dazu sind die Reifen auf dem Dach überhaupt nicht gegen Diebstahl gesichert. Also muss ich gleich mal ein bisschen was für einen erhöhten Diebstahlschutz der Reifen machen.
Ein Messer hat hier in Tunesien wohl jeder einstecken. Aber zwei 13er Schlüssel dürften eher schwierig sein. Und so ziehe ich pro Reifen zwei Nietmuttern in das Tropendach und sichere die beiden guten Falken Wildpeak AT3WA mit einer Stahlkette. Da sollte ein Diebstahl jetzt nicht mehr ganz so einfach sein. Und dazu werde ich jetzt auch die Dashcam immer laufen lassen.











