Nachtfahrt auf tunesischen Pisten: Endlich frei!
Pisten bei Nacht fahren ist in Tunesien eigentlich nicht schlimm. Wenn nur das viele Licht nicht wäre.
Abschied von Ali
Nach meiner Rückkehr von der Radtour durch die Eisenbahntunnel der Seldja-Schlucht und den Phosphattagebau um Metlaoui kontaktiere ich per WhatsApp Ali. Schließlich ist der Zeltplatzchef ein Kumpel von meinem Retter Salah aus Mides, sodass ich mich nicht einfach so davonstehlen kann. Also verabreden wir uns „in 10 minutes“ an der Tankstelle Metlaoui. Da 10 Minuten in Tunesien aber nur recht unbestimmt auf einen in näherer Zukunft liegenden Zeitpunkt hinweisen, tanke ich noch in Ruhe. Neuerdings kann man in Tunesien nicht mehr überall mit Kreditkarte bezahlen und ich muss das kostbare Bargeld rausrücken. Ist nicht dramatisch, aber irgendwie komisch.
Die 10 Minuten ziehen sich dann so lange, dass die Leute an der Tankstelle schon leicht genervt sind und ich den Bus umparken muss. Ali kommt aber dann doch irgendwann auf seinem Moped angebraust. Ist ein junger Mann, der ganz gut Englisch kann. Er hat wohl irgendeine App programmiert, um Touristen und Anbieter besser miteinander zu vernetzen. Mal sehen, was er daraus macht. Er hat auch viele Freunde im Norden, die ich alle unbedingt mal besuchen soll. Aber mir reicht es langsam, von Platz zu Platz weitergereicht und jeden Abend gemästet zu werden. Also finde ich eine Ausrede, und wir verabschieden uns final. Nee, ab jetzt sind meine Verpflichtungen als Gast aufgehoben und ich gehe auf keinen Fall neue ein. Ich will frei sein.
Würde in Metlaoui gern noch den beschädigten Reifen reparieren lassen, aber die Werkstätten schließen jetzt im Ramadan gerade. Kurz vor Sonnenuntergang wird es sowieso hektisch.
Der Lebensmittelverkauf läuft jetzt viel offensiver. Schwaden von Grillfeuern ziehen über die Straße und die Leute sitzen in Erwartung der baldigen Abendzigarette zitternd an den Cafetischen.
Anfahrt zum Nationalpark Bou Hedma
Nach der Ramadan-Abschluss-Hektik wird es ruhiger.
Als die Sonne weg ist und alle essen, sind die Straßen leer. Das Foto ist übrigens von 18:19 Uhr.
Nach Sonnenuntergang dauert es in Tunesien nicht mehr lange, und es wird stockdunkel. Meine LED-Zusatzscheinwerfer leuchten die Straße allerdings super aus, sodass ich ganz gerne nachts fahre. Wobei nachts relativ ist. Dieses Foto ist von 18:49 Uhr.
Nur mag ich es ganz und gar nicht, wenn ich Pisten mit Licht fahren muss. Da wird man ja kilometerweit gesehen. Und gerade der Nationalpark Bou Hedma ist gesperrt. Muss mir wirklich mal so eine Art Tarnbeleuchtung mit einer einzelnen, schwenkbaren 6-V-Funzel vorn anbauen, damit der Bus im Dunkeln aussieht wie ein Moped.
Sehe schon bald, dass der Kern der Savannenlandschaft eingezäunt ist. Das bedeutet also, dass ich sowieso nicht in den Nationalpark reinkomme, aber auch, dass ich außerhalb des Zauns problemlos herumfahren kann. Ich fackel nicht lange, sondern stelle den Bus direkt am Zaun auf einen halbwegs brauchbaren Stellplatz. Auswahl ist ja genug.
Die Frage ist nur, was ich jetzt um 19:06 Uhr noch mache. Naja, erstmal was essen. Endlich ist diese Zwangsernährung auf den „Campingplätzen“ vorbei und ich kann meine derzeitige Freiheit voll auskosten.
Stolpere noch ein bisschen draußen in der Savanne herum, aber da gibt es im Dunkeln außer dem Sternenhimmel und den Schatten von ein paar Schirmakazien nicht viel zu sehen.
Ziehe mich also in den Bus zurück, um dort noch ein bisschen meine Einsiedelei zu genießen. Dazu muss ich allerdings erstmal 50 nervige Fliegen erledigen. Erst dann kann ich mich ungestört meiner Lieblingslektüre widmen. Das sind einerseits die Artikel aus der Umkreissuche von Wikipedia und andererseits Tunesienführer und Tunesienkarte. Die Kulispitze zeigt übrigens zufällig genau auf den Nationalpark Bou Hedma.
Aus dem Reiseführer weiß ich schon eine Weile, dass ich eine Genehmigung brauche und so ohne weiteres nicht in den Nationalpark komme. Salah aus Mides hat sich schon telefonisch bemüht, aber wegen des Ramadan niemanden im zuständigen Ministerium erreicht. Naja, vielleicht lässt sich das vor Ort regeln. Erstmal abwarten, wie Bou Hedma am Tag aussieht und ob ich die versprochenen Antilopen vielleicht auch so zu Gesicht kriege.











