Maktar und Mactaris
Doppelter Stadtbummel durch das tunesische, quicklebendige Maktar und die römische, ausgestorbene Ausgrabungsstätte Mactaris.
Stellplatzprobleme in Maktar
Nach der Anreise von Bulla Regia ist es abends in Maktar natürlich schon viel zu spät für eine Besichtigung der Ausgrabungsstätte Mactaris. Da lohnt sich nicht mal ein Blick über die Mauer. Bin ja sowieso nur deswegen schon abends in Maktar, weil ich keinen Stellplatz gefunden habe. Denn die Dörfer sind so zersiedelt und meine diesbezüglichen Versuche waren so sinnlos, dass mir der (vermutete) Parkplatz an den Ruinen von Mactaris als gute Alternative erschien.
Den Parkplatz gibt es auch, allerdings ist das nur ein kleines, schräges Dreieck am Hauptkreisverkehr. Fahre also einmal ringsrum und stelle mich hinter Mactaris zwischen Friedhof und Schule. Das wird morgen früh bestimmt laut hier, aber wenn die Schule losgeht, bin ich schon lange wach. Hauptsache, am Abend ist es ruhig.
Da der ganze Solarstrom irgendwo hin muss, mache ich mir Bratkartoffeln auf dem Induktionskochfeld. Das extra für die Tunesienreise gekaufte Ding liegt mir zwar immer im Weg rum, ist aber ganz praktisch.
Heckträger bauen
Was mir aber wirklich im Weg rumliegt, ist die ganze Korkeiche im Bus. Darauf will ich zwar morgen einen Hammel grillen (lassen), aber so lange halte ich das mit dem ganzen Dreck im Bus nicht mehr aus.
Also ist genau jetzt die richtige Zeit, um meinen Heckträger zu bauen. Hab das gekantete Blech am Strand von Tunis ja schon mal anprobiert. Aber jetzt wird die Schiene auch montiert. Der Stellplatz hinter der Ausgrabungsstätte Mactaris ist zwar ruhig, aber ich bastle trotzdem lieber mal unter Rotlicht.
Die Montage des Heckträgers ist ja nun auch keine besondere Herausforderung. Hauptarbeiten sind Idee, Planung und Bestellung des U-Profils. Der Bau des Heckträgers für zwei Ersatzräder selbst ist nicht schwer, weil ich den nur mit ein paar kurzen M8-Schrauben auf die Trittstufe schraube. Dann schnalle ich das ganze Holz ortsüblich so auf den Träger, dass zumindest Blinker und Bremslichter zu sehen sind.
Stellplatznachteile in Maktar
Bin mit dem Bau des Heckträgers zwsr schnell fertig, aber dennoch wird es ziemlich spät, bis ich ins Bett komme. Und so werde ich früh zwar wie gewohnt um 6:30 Uhr wach, mache aber die Augen noch einmal zu, weil Mactaris sowieso erst viel später öffnet. 7:30 Uhr kommen die ersten Schüler und stehen vor dem Heckfenster, um sich die Flaggen anzugucken.
Als irgendwann eine Traube von 20 Jugendlichen um den Bus steht, lasse ich mich draußen mal blicken. Die sind alle ganz freundlich und respektvoll und probieren an mir ihre Französischkenntnisse aus. Nach einer Weile trauen sich dann auch ein paar Mädchen mit ihrem Englisch aus der Deckung. Die wollen wissen, was ich mit dem Holz mache, und so erzähle ich meine Geschichte von der Rettung aus dem Canyon und der Dankeschönparty. Erst 2 Minuten vor 8 Uhr ruft der Schulpförtner und ich hab wieder meine Ruhe. Mache also Frühstück und laufe zur Ausgrabungsstelle. Denke, dass der Bus gut steht und mache die Dashcam aus.
Check der Öffnungszeiten von Mactaris
Auf dem Weg in die Stadt begleitet mich der erste Jugendliche. Nicht aufdringlich, völlig okay, aber warum war der für eine halbe Stunde in der Schule? Egal. Vorn am Tor von Mactaris ist ein Unfall passiert und eine Zugmaschine durch die Mauer in den Park gebrochen. Der Hänger steht noch oben. Das ist natürlich die allgemeine Attraktion im Ort. Zum Glück hab ich nicht auf dem Parkplatz direkt daneben übernachtet.
Allerdings öffnet die Ausgrabungsstätte Mactaris während des Ramadan nicht 8:00 Uhr, sondern erst 09:30 Uhr.
Stadtbummel Maktar
Muss also die Zeit vertrödeln und laufe erstmal durch den vermüllten Park.
Arabische Häuser kenne ich innen sehr sauber und aufgeräumt. Aber was außerhalb der eigenen vier Wände passiert, interessiert niemanden. Versuche mich dennoch auf die positiven Sachen zu konzentrieren, z.B. auf die Ruhe und Gelassenheit der Sandmenschen in ihren Djellabas.
Sehr ruhig sind auch die Nebenstraßen von Maktar. Gerade jetzt im Ramadan.
Das Zentrum dagegen ist quirlig wie eh und je. Überlege schon, ob ich mir mal die Haare schneiden lasse, aber die Salons sehen wenig vertrauenserweckend aus.
Da gefällt mir der Straßenschweißer schon viel besser.
Und ich liebe Supermärkte. Wobei Supermarkt eigentlich der falsche Begriff ist. Das sind Vollsortimenter vom Apfel bis zum Zaun. Darf sogar im Hinterzimmer herumschleichen und mir alles anschauen.
Am besten ist aber der Gemüsemarkt von Maktar.
Mit dem Handy in der Hand kann ich so tun, als ob ich irgendwo durchwische und stattdessen Fotos machen. Zudem ist so ein Zehnfachzoom am Handy gar nicht mal so übel.
Neben Gemüse gibt es auch Brot. Das sieht allerdings besser aus, als es dann tatsächlich schmeckt.
Um die Ecke gibt es auch Fleisch. Übrigens für 50 Dinar das Kilo (16 €) für mich als Tourist. Ein ganzer Hammel in abgehangener Fleischform käme dann so auf 300 €. Aber in meinem zweiten Geburtsort Mides werde ich wohl auch einen Hammel besorgen können.
Kurz vor dem Museum Mactaris finde ich noch einen Reifenladen und checke kurz, ob der eine Aufziehmaschine hat. Dann könnte ich nämlich nach dem Besuch der Ausgrabungsstätte endlich mal meinen defekten Reifen gegen eine neue Decke tauschen lassen und hätte wieder ein funktionierendes Ersatzrad.
Mactaris
Am Museum Mactaris bezahle ich die üblichen 8 Dinar (knapp 3 €), gehe aber erstmal auf Toilette. Muss meinen Zitronentee wegbringen. Die Toilette ist schön, das Museum so lala. Und auch auf der Ausgrabungsstätte Mactaris gibt es vor allem viel Wiese zu sehen.
Mactaris glänzt nur durch den Trajansbogen.
Nett sind auch die 15 m hohen Thermen von Mactaris.
Aber Mactaris ist für tunesische Verhältnisse jetzt nicht sooo der Brüller. Bin wohl nicht umsonst die ganze Zeit alleine in dem recht großen Gelände.
Aber ich will auf keinen Fall meckern, ich mag solche alten Ruinen und bewundere immer die kunstvollen Arbeiten unserer Vorväter.
Und während heute jeder für sich Netflix schaut, war Unterhaltung früher eher ein Gemeinschaftserlebnis. Wäre gern mal in so einem Amphitheater Mäuschen gewesen.
Der Bus steht ja am hinteren Ende von Mactaris, wohin ich aber über die Mauer klettern müsste. Laufe also wieder ganz vor zum Eingang und außenrum zurück zum Bus, wo ich eine unangenehme Überraschung erlebe.


























ah, die Spannung auf den nächsten Teil hat sich erhöht 🙂
Ingo
Auch wenn ich nicht alles vorher verraten will, baue ich nun keine absichtlichen Cliffhanger ein. Will einfach nur das schöne Mactaris nicht mit unangenehmen Dingen in Verbindung bringen.
Besonders spannend wird es sein ob die Korkeichenleichen brennen, oder nur qualmen, weil Kork sehr schwer entflammbar ist, glimmt eigentlich nur. Dann gibt es eventuell geräucherten Hammel, und keine lästigen Mücken und Fliegen am Feuer….
😉 🙂
Das ist es nicht, obwohl mir auch erst hinterher eingefallen ist, das Kork ja nun nicht unbedingt der ideale Brennstoff und von der davon umschlossenen Eiche nicht viel übrig ist.