Tunesien: Nachtgewitter über der Wüste
Nachtfahrten im Mercedes 711D durch Tunesien sind eigentlich nicht mein Ziel, aber bei Gewitter ist das schon beeindruckend.
Eskorte der Nationalgarde von Makta nach Sbeitla
Nachdem die bürokratische Aktion nach dem Diebstahl des Ersatzreifens etwas gedauert hat, eskortiert mich die Nationalgarde aus Makta heraus.
Am Stadtrand darf ich nach Übergabe der versprochenen (und leider nur nichtalkoholischen) Belohnung erstmal alleine weiterfahren. Aber nicht lange, dann kommt von hinten ein neues Polizeiauto und setzt sich vor mich. Hat sich das mil meinen Biervorräten jetzt rumgesprochen?
Aber nein, die fahren ohne Erklärung einfach voraus und machen einen fliegenden Wechsel. Das geht dann noch dreimal so. Die Nationalgarde will mich wohl wirklich von der eigentlich geplanten Strecke durchs „Terroristengebiet“ fernhalten.
Aber so ist das eben, da muss ich mich fügen. Die Nationalgarde hat halt Angst, dass im mittleren Westen von Tunesien Touristen verloren gehen. Komme mit meiner ausgefallenen Scheibenwaschanlage nicht einmal zu einem provisorischen Reinigungsstopp und sehe schon bald kaum mehr was.
Aber Verkehrssicherheit ist das letzte, wofür sich die Nationalgarde interessiert. Und es stört sich auch niemand daran, dass aufgrund des gut gefüllten Heckträgers Nummernschild und Rückleuchten verdeckt sind. Aber die Schiene ist ja auch nur eine Transportgelegenheit außerhalb der StVZO. Wobei es kein Akt wäre, an den Träger Folgekennzeichen und Rückleuchten dranzuschrauben.
Ab Sbeitla ist die Luft scheinbar wieder rein und ich darf alleine weiterfahren. Hab nun allerdings keine Zeit mehr, das antike Sufetula zu besichtigen.
Gewitter in der Wüste
Es ist jetzt schon ziemlich spät und ich überlege schon, ob ich überhaupt noch bis Mides fahre. Aber ich bin für heute angemeldet, da muss ich auch heute ankommen. Ein Mann ist ein Mann, und ein Wort ist ein Wort. Erst recht als Halbtunesier.
Nur wird es nach Sonnenuntergang ziemlich schnell ziemlich dunkel, und im Dunkeln mag ich eigentlich nicht durch die Gegend fahren. Da sieht man einfach außerhalb des Lichtkegels der LED-Zusatzscheinwerfer zu wenig. Damit aber wenigstens die Straße schön ausgeleuchtet ist, stelle ich die Fernscheinwerfer mal richtig ein. Im Ramadan ist es ja nach Sonnenuntergang extrem ruhig auf der Straße, da kann man auch mal 10 Minuten aufgeblendet am Straßenrand stehen. Und es ist schon krass wie hell die LEDs von Hella sind.
Dann überlege ich hin und her, ob ich heute noch tanke oder nicht. Denn rund um die Bergoasen gibt es keine Tankstellen, aber mein Geheimplan sieht einen Ausflug nach Algerien vor. Und dort kostet der Diesel fast nichts, weshalb auch hier in Tunesien an jeder Ecke geschmuggelter Sprit verkauft wird. Hab jedoch noch kein Visum für Algerien und tanke daher sicherheitshalber doch mal 25 l.
Hinter in Moulares beginnt ein Gewitter, dass sich gewaschen hat. Der ganze Himmel zuckt von Blitzen und es schüttet in Strömen. Sehr beeindruckend, auch wenn das im Video nicht so rüberkommt. Jetzt beeile ich mich erst recht, zu den Schluchten zu kommen, denn vielleicht strömt ja gerade das Wasser in die Canyons.
Wieder in Mides
Am Ort meiner tunesischen Wiedergeburt ist alles ruhig, trocken und verwaist. Ich fahre in einem Schwung auf den bekannten Stellplatz am Mides Family Resto, stelle mich ganz routiniert in den unattraktiven WLAN-Bereich und quatsche zuerst mit einem jungen Pärchen im Peugeot 305. Ich bewundere die spartanische Ausstattung, die Lebensfreude und spendiere gleich Bier bzw. Radler. Unterdessen wartet Salah schon mit dem Essen. 21:00 Uhr hält er es nicht mehr aus und kommt raus, wo ich denn bleibe. Oh Sorry, ich hatte ganz meine Pflichten als Ehrengast vergessen. Aber jetzt geht’s los und ich werde gemästet mit dem feinsten Essen, das die tunesische Küche hergibt.
In der Supersuppe schwimmt (wahrscheinlich extra für mich die doppelte Menge) Hühnerfleisch, aber da komme ich jetzt nicht drumherum. Ich muss das Zeug essen. Schmeckt auch gar nicht so schlecht. Nur das gegrillte Fleisch kriege ich nicht hinter. Nehme das aber mit und stelle es in meinen Kühlschrank. Werde schon jemand finden, der das Abnagen von Knochen mag.
Peinlich ist mir nur die Übergabe des Gastgeschenks, das nicht funktioniert. Das Radio läuft eigentlich einfach nicht. Sollte halt vorher alles ausprobieren. Also nehme ich das wieder mit. Aber Salah kennt seine Gäste und deren Wünsche und Probleme und ist da völlig flexibel. Auch das Wetter in Mides ist ruhig und angenehm. Vom Gewitter jedenfalls ist hier in dieser tollen Oase des Friedens und der Geborgenheit nichts zu spüren.
Nun bin ich ja aber hier, um morgen Abend eine Dankeschönparty für meine Retter auszurichten. Bin mir nur nicht mehr richtig sicher, ob das so eine gute Idee ist. Ramadan wird hier irgendwie anders gefeiert als ich das kenne.
Infos und Werbung
- Die zusätzlichen Fernscheinwerfer haben sogar eine ordentliche Zulassung (Hella LED Light Bar 350)*: Klick
- Wer auf Instagram ist, kann ja mal bei Salah und seinem Familienrestaurant vorbeischauen













