Ärger an der Grenze zwischen Tunesien und Algerien
Mides liegt ja direkt an der algerischen Grenze, Wanderungen zur Grenze sieht die Nationalgarde aber gar nicht gern.
Sonnenaufgang am Mides Family Resto
Will nach der Wanderung über die Berge nach Tamerza zu den dortigen Wasserfällen und Schluchten den Tag etwas ruhiger angehen.
Stehe aber trotzdem wieder vor Sonnenaufgang draußen.
Algerische Grenze
Und wenn ich schon mal so schön zeitig aufstehe, kann ich auch schnell mal hoch auf die Berge zwischen Mides und der algerischen Grenze laufen und den Sonnenaufgang von da anschauen.
Muss nur ein bisschen aufpassen, denn da unten im Grenzfort wacht die Nationalgarde argwöhnisch über die Grenze zu Algerien.
Aber ich halte mich natürlich an die Grenzlinie, die sporadisch mit weißen Säulen markiert ist.
Vor allem aber halte ich den GPS-Track auf dem Handy immer östlich der Grenze zwischen Tunesien und Algerien. Gibt da nämlich einige Schauermärchen von algerischen Grenzposten, die arglose Touristen entführen. Vor allem aber darf ich kein schlechtes Licht auf meinen Gastgeber werfen. Und so genieße ich die schöne Aussicht auf Mides und die Oase und schaue nur mit dem Fernglas rüber nach Algerien. Der breite Wadi beginnt etwa 20 km weiter im Land. Da läuft einiges Wasser zusammen, wenn es mal regnet.
Unten in Neu-Mides drehen in der Zwischenzeit die Hähne durch, in der Oase die Tauben. Nur die Hunde halten sich ausnahmsweise mal zurück.
Ist echt genial, da oben zu sitzen und mit dem Fernglas die Umgebung zu beobachten. Hab alles im Blick in einer Schärfe und Detailtreue, dass ich wohl nie wieder ohne Fernglas wandern gehe.
Dazu kann ich mir immer schön die Wege angucken, die ich gehen könnte. Ist ja hier manchmal nicht so einfach. Aber man muss immer geologisch denken und die Felsbänder beobachten. Schüttkegel und Faltungen geben ein ganz gutes Bild von den Möglichkeiten, einfach querfeldein zu wandern. Interessant sind auch andere Farben. Finde so nicht nur Muschelbänke, sondern auch Drusen und Calcit. Kann da nicht vorbeilaufen und nehme bisschen was mit.
Dorfrundgang Neu-Mides
Neu-Mides hat scheinbar noch viel vor und verfügt über großzügige Erschließungsflächen.
Dennoch ist das neue Mides im Ramadan wie ausgestorben. Aber das ist gut, denn so kann ich mir in Ruhe alles anschauen.
Es gibt zwar ein paar repräsentativ (angefangene) Bauten, aber das meiste sind doch einfache Frauengefängnisse. Also kleine Häuschen mit Mauer ringsrum.
Die Müllentsorgung in Neu-Mides erfolgt zumindest anfangs vorbildlich über bereitgestellte Container. Die werden allerdings dann in den nächstbesten Wadi gekippt. Den Rest erledigt der nächste Starkregen.
Auch das Abwasser fließt einfach auf die Straße.
Und da mittlerweile Waschmaschinen zw. wenigstens Waschmittel zur Standardausrüstung jedes Haushalts gehören, gibt es in ganz Neu-Mides seifige Laugenpfützen, die sich langsam ihren Weg in die Touristenschluchten bahnen.
Aber da setzt schon ein Umdenken ein. So hat das Mides Family Resto eine eigene Klärgrube. Denn es wäre schon doof, wenn die Schluchten von Mides irgendwann nach Kloake stinken.
So gibt es nicht nur bei der Abwasser- und Müllentsorgung in Mides noch viel zu tun.
Die breiten Fußwege auf beiden Seiten der einzigen asphaltierten Straße sind zwar nett, werden allerdings von niemandem genutzt und fallen schon langsam wieder ein. Ist halt nicht so einfach ohne Unterbau und Entwässerung. Sowieso sieht mir das Betonpflaster sehr nach einer deutschen GTZ-Arbeit aus. Wenn es so wäre, helfen wir vor allem Privathaushalten, denn überall in Neu-Mides findet sich dieses Pflaster. Sehe auch einen PKW, der sich zur sozialistischen Umverteilung den ganzen Kofferraum mit Pflastersteinen voll lädt.
Campleben am Family Resto
Sonst gibt es nicht so viel zu sehen in Neu-Mides. Hauptattraktion ist eben die Palmenoase mit den Schluchten. Interessant ist vielleicht noch die Präventivbewehrung wie auf dem Dach des Mides Family Resto. Man weiß ja nie, wie der Tourismus sich entwickelt und ob man nicht noch mal ein oder zwei Geschosse aufstocken muss.
Der Inhaber Salah jedenfalls denkt in größeren Zusammenhängen. Ich freue mich schon, wenn seine Pläne aufgehen und es eine palmenumstandene Restaurantterrasse geben wird. Schatten für die Wohnmobile auf dem Mides Family Resto wären natürlich auch nicht schlecht, selbst wenn der Solarertrag darunter leidet.
Trotzdem, der Garten unter dem Stellplatz ist jetzt schon herrlich. In die Zitronen kann man glatt reinbeißen.
Ich darf mir immer eine für meinen Tee nehmen. Und auch der Strom fürs Teewasser hat seinen Ursprung in der tunesischen Sonne.
Arbeiten auf Reisen
Nach dem Frühstück sitze ich in der Schiebetür und mache gar nichts. Doch eigentlich bin ich zum Arbeiten hier und müsste auch mal meine Steuererklärung machen. Aber Arbeiten auf Reisen ist gar nicht so einfach. Dauert also eine Weile, bis ich mich überhaupt zu irgendwas aufraffen kann.
An Hausarbeit allerdings muss ich mich auch auf Reisen nicht gewöhnen. Denn da es hier Wasser und eine Klärgrube gibt, kann ich auch gut Wäsche waschen.
Neben Wasser und Waschtonne brauche ich nur Sonne und Wind zum Trocknen. Und gerade meine geliebten Sportshirts von Falke sind extrem schnell trocken. Allerdings ist da so viel Elasthan drin, dass sie sich nur bescheiden zusammenlegen lassen.
Wasche nebenbei auch meine Steine. Diese Faltschüssel von Ortlieb ist für sowas extrem praktisch und passt genau in das Waschbecken meiner Wohnmobil-Standardspüle. Die ist übrigens auch im Winter ideal, wenn ich das Abwaschwasser nicht in den ungeheizten Tank leiten kann. Dann nehme ich kein Spülmittel und kann die Faltschlüssel direkt im Schnee leeren.
Dann aber ziehe ich mir Arbeitssachen an und staple das Korkeichenholz in Salahs Garten auf. Denn morgen will bzw. muss ich weiterfahren.
Umrundung der Mides-Schlucht
Es kommen dann noch zwei Australier im Atego mit deutschen Kennzeichen sowie zwei Spanier mit einem alten Iveco. Unterhalten uns ganz nett, und schließlich gehe ich als „Tourguide“ mit den zwei Spaniern im Schlepp zum Mides-Canyon.
Hab also an meinem abendlichen Lieblingsspot auf der anderen Talseite jefrau, die auch mal ein Foto von mir und meinem schönen Reisehut machen kann. Daran mangelt es ja sonst.
Dann schicke ich die beiden Spanier zurück und klettere selber weiter auf dem Felsband um den Canyon herum. Das wäre mir mit ungeübten Wandergästen viel zu gefährlich.
Finde ein paar schöne neue Aussichten auf Alt-Mides über der Schlucht.
Und am Ende schaffe ich es sogar, ohne irgendwelche Katastrophen über das Felsband in das breite Trockental zu kommen.
Ist zwar schon ziemlich dunkel, aber die Schlucht hochzulaufen ist auch super.
Bin so erst recht spät zurück am Zeltplatz des Mides Family Resto.
Der Sonnenuntergang über der Oase Mides ist da schon vorbei.
Bringe dem Australier dann noch sein versprochenes Bier vorbei, obwohl das ja nur Wasser mit Geschmack ist und wohl auch so schmeckt. Jedenfalls sitzen wir in seinem Lkw und unterhalten uns, bis Salah zum Abendbrot ruft. Aber heute kann ich nicht schon wieder 5 Gänge verspeisen und hab mich abgemeldet. Sitze also an meiner Feuerschale und grille mir altes Baguette. Das ist mir sowieso am liebsten.
Allerdings wäscht mir Salah für meine Wanderung an die algerische Grenze noch den Kopf, denn die Nationalgarde hat meine Eskapaden natürlich gesehen und dokumentiert. Den Ärger aber kriege nicht ich als soeben erst geretteter deutscher Patient und Ehrengast ab, sondern mein Gastgeber Salah. Sorry also für meinen leichtfertigen Umgang mit der heiligen Grenze nach Algerien.
Infos und Werbung
- Mides Family Resto (Instagram): Klick
- Kleines leichtes Wanderfernglas (DDoptics NXT 10×42): Klick
- Die Sonne Tunesiens tut ohne Hut nicht gut (Stetson Davenport Traveller Wollhut (hut.de): Klick
- Das praktische 10-l-Faltbecken passt perfekt ins Standardwaschbecken (Ortlieb.de): Klick
- Die Feuer- und Grillschale gehört zum Standardequipment im Bus (arts-outdoors.de): Klick



































